Bibliografie
Subperiostales Polyetheretherketon-(PEEK)-Implantat zur Verankerung einer festsitzenden Oberkieferprothese: Eine Fallserie
- 28 September 2024
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Andere Materialien
Mohammed A El-Sawy, Mohamed E ELgamal, Wael M Ahmed, Medhat A El-Daker, Salah A Hegazy
Full text link : https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36210190/
Subperiostales Polyetheretherketon-(PEEK)-Implantat zur Verankerung einer festsitzenden Oberkieferprothese: Eine Fallserie
1. Wissenschaftliche Referenz
- Titel der Studie: Subperiostales Polyetheretherketon-(PEEK)-Implantat zur Verankerung einer festsitzenden Oberkieferprothese: Eine Fallserie
- Autoren: Mohammed A. El-Sawy, Mohamed E. ELgamal, Wael M. Ahmed, Medhat A. EL-daker, Salah A. Hegazy
- Fachzeitschrift: The Journal of Prosthetic Dentistry
- Erscheinungsjahr: 2024
- DOI: 10.1016/j.prosdent.2022.08.027
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Versorgung zahnloser Patienten mit ausgeprägter Oberkieferatrophie stellt weiterhin eine der anspruchsvollsten Herausforderungen der modernen Implantologie dar. Bei stark resorbierten Kiefern ist die Platzierung konventioneller enossaler Implantate häufig nur nach umfangreichen augmentativen Maßnahmen möglich. Zu den etablierten Behandlungsoptionen gehören Knochenaugmentationen, Sinusbodenelevationen oder der Einsatz von Jochbeinimplantaten.
Diese Verfahren sind jedoch oftmals mit einer erhöhten chirurgischen Belastung, längeren Behandlungszeiten und mehreren operativen Eingriffen verbunden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Entwicklung individueller Implantatlösungen zunehmend an Bedeutung. Fortschritte in der digitalen Planung, CAD/CAM-Technologie und modernen Biomaterialien ermöglichen neue Konzepte für die implantatprothetische Rehabilitation stark atrophierter Kiefer.
PEEK (Polyetheretherketon) wird aufgrund seiner günstigen biomechanischen und biologischen Eigenschaften als potenzielles Material für patientenspezifische Implantatkonstruktionen untersucht. Die vorliegende Studie befasst sich mit der klinischen Anwendung individuell gefertigter subperiostaler PEEK-Implantate zur Versorgung stark atrophierter Oberkiefer.
3. Ziel der Studie
Ziel dieser Untersuchung war die Darstellung erster klinischer Ergebnisse von CAD/CAM-gefertigten subperiostalen PEEK-Implantaten bei vollständig zahnlosen Patienten mit ausgeprägter Oberkieferatrophie.
Die Autoren wollten prüfen, ob dieses individuell gefertigte Implantatkonzept eine praktikable Alternative für Patienten darstellen kann, die knochenaufbauende Maßnahmen, Sinuslift-Verfahren oder mehrstufige chirurgische Behandlungsprotokolle ablehnen.
4. Methodik
Bei der Untersuchung handelt es sich um eine klinische Fallserie mit beobachtendem Charakter.
Insgesamt wurden vier vollständig zahnlose Patienten mit einer starken Oberkieferatrophie entsprechend der Klassifikation nach Cawood und Howell (Klasse IV bis V) eingeschlossen. Alle Patienten wünschten eine festsitzende prothetische Versorgung und lehnten augmentative Eingriffe ab.
Die Planung erfolgte vollständig digital. Computertomographische Aufnahmen wurden mit digitalen Datensätzen der Prothese kombiniert, um individuelle subperiostale Implantatgerüste virtuell zu konstruieren. Anschließend wurden die Implantate mittels CAD/CAM-Technologie aus PEEK gefertigt.
Die Implantate wurden in einer einzigen Operation eingesetzt und mit Osteosyntheseschrauben fixiert. Nach der Weichgewebeheilung erfolgte die Anfertigung der definitiven festsitzenden Oberkieferprothese.
Die Nachuntersuchungen konzentrierten sich auf die Implantatstabilität, den Zustand der Weichgewebe, mögliche Infektionen, Implantatexpositionen sowie prothetische Komplikationen. Die primäre Beobachtungsdauer betrug zwölf Monate. Zwei Patienten wurden bis zu 24 Monate nachbeobachtet.
5. Hauptergebnisse
Alle vier Patienten konnten erfolgreich gemäß dem vorgesehenen Behandlungsprotokoll versorgt werden.
Während der frühen postoperativen Phase trat lediglich bei einem Patienten eine partielle Freilegung des Implantatgerüsts im Bereich eines Eckzahnpfeilers auf. Diese Komplikation wurde durch eine lokale chirurgische Weichgewebskorrektur behandelt.
Bei der Kontrolluntersuchung nach zwölf Monaten zeigten alle Implantate eine funktionelle Stabilität. Weder Implantatlockerungen noch prothetische Frakturen, Infektionen oder eitrige Sekretionen wurden beobachtet. Die periimplantären Weichgewebe wurden als gesund beschrieben.
Zwei Patienten erreichten eine Nachbeobachtungszeit von 24 Monaten. Die radiologische Kontrolle zeigte keine radiologischen Aufhellungen im Bereich der Fixationsschrauben, was von den Autoren als Hinweis auf eine stabile Situation interpretiert wurde.
Insgesamt berichten die Autoren über günstige kurz- bis mittelfristige klinische Ergebnisse innerhalb des begrenzten Beobachtungszeitraums.
6. Klinische Analyse
Die vorliegende Fallserie liefert erste klinische Daten zu einem innovativen Konzept der implantatgetragenen Rehabilitation stark atrophierter Oberkiefer. Im Mittelpunkt steht die Verwendung individuell geplanter subperiostaler PEEK-Implantate, die direkt an die vorhandene Knochenanatomie angepasst werden.
Aus klinischer Sicht ist insbesondere die Möglichkeit interessant, auf umfangreiche rekonstruktive Eingriffe verzichten zu können. Für Patienten, die keine Knochenaugmentation oder mehrstufige chirurgische Verfahren wünschen, könnte dieses Konzept eine alternative Versorgungsoption darstellen.
Darüber hinaus zeigen die berichteten Ergebnisse, dass die Implantate während der Beobachtungszeit eine stabile Funktion aufrechterhalten konnten. Die geringe Anzahl biologischer und prothetischer Komplikationen deutet auf eine gute kurzfristige Verträglichkeit hin. Allerdings erlaubt die Studie keine Aussagen über Langzeitergebnisse oder einen Vergleich mit etablierten Behandlungsverfahren.
Die Interpretation der Ergebnisse muss daher zurückhaltend erfolgen. Aufgrund der sehr kleinen Patientenzahl und des Fehlens einer Kontrollgruppe können die vorliegenden Daten lediglich als erste klinische Hinweise auf die Machbarkeit dieses Ansatzes betrachtet werden. Aussagen zur Überlegenheit gegenüber anderen Therapieoptionen sind auf Basis dieser Untersuchung nicht möglich.
7. Klinische Anwendungen
Die Ergebnisse könnten insbesondere in folgenden klinischen Situationen relevant sein:
- Ausgeprägte Oberkieferatrophie.
- Vollständige Zahnlosigkeit des Oberkiefers.
- Patienten, die Knochenaufbauverfahren ablehnen.
- Patienten, die eine festsitzende Versorgung mit möglichst wenigen chirurgischen Eingriffen wünschen.
- Digitale implantologische Behandlungsplanung mittels CAD/CAM-Technologie.
- Komplexe implantatprothetische Rehabilitationen mit patientenspezifischen Implantaten.
Die Studie verdeutlicht zudem das Potenzial digitaler Workflows und moderner Hochleistungspolymere für die orale Rehabilitation anspruchsvoller klinischer Fälle.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Diese Publikation stellt eine Fallserie dar und besitzt daher ein begrenztes Evidenzniveau.
Die Autoren weisen ausdrücklich auf mehrere methodische Einschränkungen hin. Dazu zählen insbesondere die geringe Anzahl von lediglich vier Patienten sowie die vergleichsweise kurze Beobachtungsdauer. Darüber hinaus fehlt eine Kontrollgruppe, wodurch keine direkten Vergleiche mit anderen Implantatmaterialien oder Behandlungskonzepten möglich sind.
Die Autoren empfehlen selbst die Durchführung größerer prospektiver Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit, um die langfristige Leistungsfähigkeit subperiostaler PEEK-Implantate besser beurteilen zu können.
Spezifische Interessenkonflikte werden in den bereitgestellten Informationen nicht angegeben. In der Danksagung werden jedoch Fachpersonen erwähnt, die an der CAD/CAM-Konstruktion und der zahntechnischen Umsetzung beteiligt waren.
9. Zentrale Erkenntnisse der Studie
- Studientyp: Klinische Fallserie
- Evidenzniveau: Niedrig
- Untersuchte Population: Vollständig zahnlose Patienten mit schwerer Oberkieferatrophie
- Anzahl der Patienten: 4
- Anzahl der Implantate: 4 individuelle subperiostale PEEK-Implantate
- Primäre Nachbeobachtungszeit: 12 Monate
- Maximale Nachbeobachtungszeit: 24 Monate bei 2 Patienten
- Primärer Bewertungsparameter: Klinische Stabilität und Auftreten biologischer bzw. prothetischer Komplikationen
- Wichtigstes Ergebnis: Stabile Funktion ohne Implantatverlust, Infektion oder Prothesenfraktur während des dokumentierten Beobachtungszeitraums
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Subperiostale PEEK-Implantate könnten eine vielversprechende Behandlungsoption bei stark atrophierten Oberkiefern darstellen
- Wesentliche Limitationen: Kleine Fallzahl, fehlende Kontrollgruppe und begrenzte Beobachtungsdauer
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Die Studie trägt zu einem noch jungen Forschungsgebiet innerhalb der digitalen Implantologie und der patientenspezifischen Implantatversorgung bei. Ihr wissenschaftlicher Wert liegt vor allem darin, erste klinische Erfahrungen mit subperiostalen PEEK-Implantaten im vollständig atrophierten Oberkiefer zu dokumentieren.
Die Ergebnisse unterstützen die technische und klinische Umsetzbarkeit eines vollständig digitalen Behandlungsablaufs, der moderne Bildgebung, virtuelle Planung und CAD/CAM-Fertigung kombiniert. Gleichzeitig liefert die Arbeit erste Hinweise darauf, dass PEEK als alternatives Material für komplexe implantatprothetische Rekonstruktionen untersucht werden kann.
Obwohl die Datenlage noch begrenzt ist, schafft die Studie eine Grundlage für zukünftige Forschungsarbeiten. Insbesondere langfristige klinische Untersuchungen und direkte Vergleiche mit etablierten Implantatkonzepten erscheinen notwendig, um den tatsächlichen Stellenwert dieser Technologie zu bestimmen.
11. Redaktionelles Fazit
Diese Fallserie beschreibt einen innovativen Ansatz zur Rehabilitation stark atrophierter, zahnloser Oberkiefer mithilfe individuell gefertigter subperiostaler PEEK-Implantate. Die berichteten klinischen Ergebnisse zeigen eine stabile Funktion und eine günstige Gewebeverträglichkeit während der dokumentierten Nachbeobachtungszeit. Aufgrund der begrenzten Fallzahl und der kurzen Beobachtungsdauer sollten die Ergebnisse jedoch als vorläufig betrachtet werden. Weitere klinische Studien sind erforderlich, um die langfristige Sicherheit und Leistungsfähigkeit dieses Behandlungskonzepts zu bestätigen.
