Bibliografie
Custom-made 3D printed subperiosteal titanium implants for the prosthetic restoration of the atrophic posterior mandible of elderly patients: a case series
- 8 Januar 2020
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Carlo Mangano, Andrea Bianchi, Francesco Guido Mangano, Jessica Dana, Marco Colombo, Ivan Solop, Oleg Admakin
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31915946/
Custom-made 3D printed subperiosteal titanium implants for the prosthetic restoration of the atrophic posterior mandible of elderly patients: a case series
1. Wissenschaftliche Referenz
- Titel der Studie: Custom-made 3D printed subperiosteal titanium implants for the prosthetic restoration of the atrophic posterior mandible of elderly patients: a case series
- Autoren: Carlo Mangano, Andrea Bianchi, Francesco Guido Mangano, Jessica Dana, Marco Colombo, Ivan Solop, Oleg Admakin
- Wissenschaftliche Zeitschrift: 3D Printing in Medicine
- Erscheinungsjahr: 2020
- DOI: 10.1186/s41205-019-0055-x
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die implantologische Versorgung schwer atrophierter posteriorer Unterkieferbereiche stellt weiterhin eine große klinische Herausforderung dar, insbesondere bei älteren Patienten. Wenn das verbleibende Knochenvolumen nicht mehr ausreicht, um konventionelle enossale Implantate aufzunehmen, werden Verfahren zur Knochenregeneration häufig als bevorzugte therapeutische Option angesehen. Diese Verfahren erhöhen jedoch die chirurgische Komplexität, die Behandlungsdauer und die potenzielle Morbidität.
Die jüngste Entwicklung des digitalen Workflows in der Implantologie, die CBCT, computergestützte Konstruktion (CAD) und metallische additive Fertigung kombiniert, eröffnet neue personalisierte Ansätze. In diesem Zusammenhang profitieren subperiostale Implantate, die aufgrund technischer Schwierigkeiten und häufiger Komplikationen historisch aufgegeben wurden, heute von den Fortschritten der 3D-Drucktechnologie und der direkten Metall-Lasersinterung (DMLS). Diese Studie reiht sich in diese Entwicklung ein, indem sie die Anwendung individualisierter subperiostaler Implantate bei älteren Patienten mit ausgeprägter posteriorer Unterkieferatrophie untersucht.
3. Ziel der Studie
Das Hauptziel dieser Fallserie bestand darin, die klinische Anwendung individuell angefertigter subperiostaler Titanimplantate, die mittels 3D-Druck hergestellt wurden, für die festsitzende prothetische Rehabilitation des atrophierten posterioren Unterkieferbereichs bei älteren Patienten zu bewerten.
Die Autoren untersuchten insbesondere die Anpassung der Implantate an den Knochenstandort, die Operationsdauer, das Implantatüberleben sowie das Auftreten möglicher postoperativer und prothetischer Komplikationen.
4. Methodik
Diese Veröffentlichung entspricht einer klinischen Fallserie.
Zwischen Januar 2017 und Juni 2018 schlossen die Autoren Patienten über 65 Jahre ein, die einen partiellen Zahnverlust im posterioren Unterkieferbereich in Verbindung mit einer ausgeprägten Knochenatrophie aufwiesen, welche die Insertion konventioneller Implantate mit Standardlänge verhinderte.
Die ausgewählten Patienten wollten keine Verfahren zur Knochenregeneration in Anspruch nehmen.
Die Planung basierte auf der Erfassung von CBCT-Daten und intraoralen Scans. Die Implantate wurden digital entworfen und anschließend mittels DMLS-Technologie aus einer Titanlegierung hergestellt. Nach der Operation erhielten die Patienten zunächst eine provisorische Versorgung und anschließend eine definitive Rehabilitation aus Zirkonoxid-Keramik.
Die berichtete klinische Nachbeobachtungszeit betrug 12 Monate. Die Bewertungskriterien umfassten die Anpassung des Implantats, dessen Stabilität, die Operationsdauer, das Implantatüberleben sowie frühe oder späte Komplikationen.
5. Hauptergebnisse
Von fünfzehn ursprünglich untersuchten Patienten wurden schließlich zehn in die Studie eingeschlossen. Die Stichprobe bestand aus vier Männern und sechs Frauen mit einem Durchschnittsalter von 69,6 Jahren.
Die Anpassung der individualisierten Implantate wurde von den Operateuren insgesamt als zufriedenstellend bewertet, mit einer durchschnittlichen Bewertung von 7 von 10 Punkten. Zwei Implantate zeigten eine unzureichende Anpassung, die auf radiologische Artefakte zurückgeführt wurde, welche den digitalen Rekonstruktionsprozess beeinträchtigten. Dennoch konnten diese Implantate während des Eingriffs angepasst werden.
Die durchschnittliche Dauer der chirurgischen Eingriffe betrug 44,3 Minuten.
Nach einem Jahr Nachbeobachtung war kein Implantat verloren gegangen, was einer Implantatüberlebensrate von 100 % entspricht. Eine frühe postoperative Komplikation wurde bei einem Patienten beobachtet und äußerte sich durch Schmerzen, Beschwerden und Schwellungen. Zwei späte Komplikationen wurden ebenfalls berichtet, in Form von Frakturen der provisorischen Versorgungen während der Provisoriumsphase. Nach dem Einsetzen der definitiven Versorgungen wurden keine weiteren prothetischen Komplikationen beschrieben.
Die insgesamt während der Nachbeobachtung beobachtete Komplikationsrate betrug 30 %, wobei die Autoren betonten, dass diese Komplikationen von geringer Schwere waren.
6. Klinische Analyse
Diese Studie verdeutlicht das potenzielle Interesse an individualisierten subperiostalen Implantaten bei einer besonders komplexen Indikation: der schweren Atrophie des posterioren Unterkieferbereichs bei älteren Patienten, die Verfahren der Knochenrekonstruktion ablehnen.
Das bemerkenswerteste Element liegt in der Kombination eines vollständigen digitalen Workflows mit metallischer additiver Fertigung. Die Integration von CBCT-Daten, digitalen Abformungen und CAD-Konstruktion ermöglicht die Herstellung eines Implantats, das speziell an die Anatomie des Patienten angepasst ist. Diese Individualisierung zielt darauf ab, die mechanische Stabilität zu verbessern und die chirurgische Phase zu vereinfachen.
Die beobachteten Ergebnisse legen nahe, dass dieser Ansatz eine Alternative darstellen könnte, wenn konventionelle Implantatlösungen durch die Nähe zum Nervus alveolaris inferior oder durch eine fortgeschrittene Knochenresorption eingeschränkt sind. Das Ausbleiben eines Implantatverlustes während des ersten Jahres stellt ein ermutigendes klinisches Signal dar.
Dennoch müssen diese Daten mit Vorsicht interpretiert werden. Die untersuchte Population ist begrenzt, und das Fehlen einer Kontrollgruppe erlaubt keinen direkten Vergleich dieses Ansatzes mit anderen therapeutischen Strategien wie Knochentransplantationen, kurzen Implantaten oder alternativen Implantatprotokollen. Darüber hinaus ist die Nachbeobachtungszeit von zwölf Monaten unzureichend, um die langfristige biologische Stabilität subperiostaler Implantate bei älteren Patienten zu beurteilen, bei denen eine fortschreitende Knochenatrophie auftreten kann.
7. Klinische Anwendungen
Die Ergebnisse dieser Studie können insbesondere in folgenden Situationen relevant sein:
- Schwere Atrophie des posterioren Unterkieferbereichs.
- Ältere Patienten, die Knochenaugmentationen oder Verfahren der geführten Knochenregeneration ablehnen.
- Festsitzende implantologische Rehabilitation bei ungünstigen anatomischen Voraussetzungen.
- Anwendung eines vollständigen digitalen Workflows mit CBCT, CAD/CAM-Konstruktion und metallischem 3D-Druck.
- Fälle, die eine hochgradig individualisierte Implantatlösung erfordern, die an die verbleibende Anatomie des Patienten angepasst ist.
Die vorliegenden Daten erlauben jedoch keine Ausweitung dieser Schlussfolgerungen auf andere klinische Indikationen ohne zusätzliche Studien.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Diese Veröffentlichung entspricht einer Fallserie, was im Vergleich zu kontrollierten Studien oder Vergleichsstudien ein relativ niedriges Evidenzniveau darstellt.
Die wichtigsten von den Autoren identifizierten Limitationen sind:
- kleine Stichprobengröße (10 Patienten);
- Fehlen einer Kontrollgruppe;
- auf ein Jahr begrenzte Nachbeobachtung;
- Unmöglichkeit, die mittel- und langfristige Leistung zu bewerten;
- potenzielles Risiko durch CBCT-Artefakte, die die Konstruktionsgenauigkeit beeinträchtigen können.
Hinsichtlich der Transparenz geben die Autoren an, keine externe Finanzierung für diese Forschung erhalten zu haben. Sie danken jedoch der Firma BTK (Dueville, Italien) für die Herstellung der DMLS-Implantate. Die Autoren erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Fallserie
- Evidenzniveau: Niedrig bis moderat (deskriptive Beobachtungsstudie)
- Untersuchte Population: Teilbezahnte ältere Patienten mit posteriorer Unterkieferatrophie
- Anzahl der Patienten: 10
- Anzahl der Implantate: 10 individualisierte subperiostale Implantate
- Nachbeobachtungsdauer: 1 Jahr
- Primär bewerteter Endpunkt: Anpassung, Stabilität, Implantatüberleben und Komplikationen
- Hauptergebnis: 100 % Implantatüberleben nach einem Jahr
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Mittels DMLS hergestellte individualisierte subperiostale Implantate erscheinen in dieser spezifischen Indikation praktikabel und funktionell.
- Mögliche Limitationen: Kleine Stichprobe, Fehlen einer Kontrollgruppe, kurze Nachbeobachtungszeit.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Diese Studie trägt zur modernen Neubewertung eines historischen Konzepts der Implantologie bei: des subperiostalen Implantats. Der wesentliche Beitrag liegt in der Integration moderner digitaler Technologien, die es ermöglichen, bestimmte technische Einschränkungen zu überwinden, welche die Anwendung dieser Implantate historisch begrenzt haben.
Die vorgestellten Daten legen nahe, dass die metallische additive Fertigung eine ausreichende Präzision bieten könnte, um Implantate für stark resorbierte anatomische Strukturen zu entwickeln. Die Studie trägt somit zur Entwicklung personalisierter Lösungen für Patienten mit schweren Knochendefiziten bei, bei denen rekonstruktive Protokolle abgelehnt werden oder schwer durchführbar sind.
Auch wenn die Schlussfolgerungen vorläufig bleiben, liefert diese Veröffentlichung zusätzliche klinische Daten zugunsten der Anwendung individualisierter subperiostaler Implantate und rechtfertigt die Durchführung größerer prospektiver Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiten.
11. Redaktionelle Schlussfolgerung
Diese Fallserie hebt das Potenzial von mittels 3D-Druck hergestellten subperiostalen Titanimplantaten für die implantologische Rehabilitation schwer atrophierter posteriorer Unterkieferbereiche bei älteren Patienten hervor. Die Ergebnisse nach einem Jahr sind günstig, mit vollständigem Implantatüberleben und einer begrenzten Anzahl geringfügiger Komplikationen. Aufgrund der kleinen Stichprobe und der begrenzten Nachbeobachtungszeit sollten diese Beobachtungen jedoch als vorläufig betrachtet werden. Vergleichsstudien und Langzeitbewertungen bleiben erforderlich, bevor die genaue Stellung dieses Ansatzes im therapeutischen Arsenal der modernen Implantologie definiert werden kann.
