Bibliografie
Fünfjährige Vergleichsstudie von Jochbeinimplantaten und subperiostalen Implantaten: Klinische Ergebnisse, Komplikationen und Behandlungsstrategien bei schwerer Oberkieferatrophie
- 21 Januar 2025
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Alternativen zu Subperiostale Implantate
Rafal Zielinski, Jakub Okulski, Martyna Piechaczek, Jan Łoś, Jerzy Sowiński, Monika Sadowska-Sowińska, Agata Kołkowska, Wojciech Simka, Marcin Kozakiewicz
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39941332/
Fünfjährige Vergleichsstudie von Jochbeinimplantaten und subperiostalen Implantaten: Klinische Ergebnisse, Komplikationen und Behandlungsstrategien bei schwerer Oberkieferatrophie
1. Wissenschaftliche Referenz
- Vollständiger Titel: Fünfjährige Vergleichsstudie von Jochbeinimplantaten und subperiostalen Implantaten: Klinische Ergebnisse, Komplikationen und Behandlungsstrategien bei schwerer Oberkieferatrophie
- Autoren: Rafal Zielinski und Kollegen
- Fachzeitschrift: Journal of Clinical Medicine
- Erscheinungsjahr: 2025
- Band: 14
- Artikel: 661
- DOI: 10.3390/jcm14030661
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Behandlung einer schweren Oberkieferatrophie stellt weiterhin eine der größten Herausforderungen der implantologischen Rehabilitation dar. Konventionelle Protokolle auf der Grundlage von Knochenaugmentationen, Sinuslift-Verfahren oder gesteuerter Knochenregeneration können vorhersagbare Ergebnisse erzielen, gehen jedoch mit einer längeren Behandlungsdauer, einer erhöhten chirurgischen Morbidität und höheren Therapiekosten einher.
In diesem Zusammenhang haben sich zwei Alternativen besonders entwickelt:
- Jochbeinimplantate, die im Jochbein verankert werden;
- individuell angefertigte subperiostale Implantate der neuen Generation, die mithilfe digitaler Technologien und metallischer 3D-Druckverfahren hergestellt werden.
Obwohl beide Ansätze heute bei extremer Oberkieferatrophie eingesetzt werden, existieren nur wenige Studien, die sie über einen längeren Nachbeobachtungszeitraum direkt miteinander vergleichen.
3. Ziel der Studie
Ziel dieser Studie war es, die klinische Leistungsfähigkeit von Jochbeinimplantaten und individuell angefertigten subperiostalen Implantaten über einen Zeitraum von fünf Jahren bei der Rehabilitation schwer atrophierter Oberkiefer zu vergleichen.
Die Autoren analysierten:
- die Implantatüberlebensraten;
- biologische und chirurgische Komplikationen;
- die Stabilität der Weichgewebe;
- postoperative Sinusläsionen;
- funktionelle und prothetische Aspekte;
- die therapeutischen Implikationen jeder Strategie.
4. Methodik
Bei der Studie handelt es sich um eine monozentrische retrospektive Kohortenstudie, die zwischen 2010 und 2023 durchgeführt wurde, wobei für alle Patienten eine Mindestnachbeobachtungszeit von fünf Jahren vorlag.
Studienpopulation
Die Kohorte umfasste 170 Patienten, aufgeteilt in:
- 89 Patienten, die mit individuell angefertigten subperiostalen Implantaten behandelt wurden;
- 81 Patienten, die mit Jochbeinimplantaten behandelt wurden.
Alle Patienten wiesen eine schwere Oberkieferatrophie des Typs Cawood V oder VI auf.
Bewertete Kriterien
Die Autoren untersuchten:
- das Implantatüberleben;
- den prothetischen Erfolg;
- postoperative Komplikationen;
- Sinusläsionen;
- Weichgewebsrezessionen;
- periimplantäre Entzündungen;
- Implantatmobilität;
- die Operationsdauer.
Die statistische Analyse basierte auf Mann-Whitney-, Kruskal-Wallis-, Fisher- und ANOVA-Tests, wobei das Signifikanzniveau auf p < 0,05 festgelegt wurde.
5. Hauptergebnisse
Implantatüberleben
Beide Lösungen zeigten sehr hohe Fünf-Jahres-Überlebensraten:
- Jochbeinimplantate: 96,3 %;
- subperiostale Implantate: 97,1 %.
Zwischen den beiden Gruppen wurde kein statistisch signifikanter Unterschied festgestellt (p = 0,278).
Komplikationen
Jochbeinimplantate zeigten mehr anatomische Komplikationen:
- Sinuskomplikationen: 12,4 %;
- Risiko einer Orbitaperforation;
- häufiger postoperative Sinusitiden;
- häufiger auftretende Gewebedehiszenzen.
Subperiostale Implantate wiesen auf:
- weniger Sinusläsionen;
- weniger Weichgewebsrezessionen;
- weniger periimplantäre Entzündungen;
- eine bessere langfristige Stabilität der Weichgewebe.
Operationszeit
Jochbeinimplantate erforderten eine kürzere Operationsdauer.
Subperiostale Implantate benötigten mehr Operationszeit aufgrund:
- der individuellen Anfertigung des Implantats;
- der knöchernen Anpassung;
- des Weichgewebsmanagements;
- des möglichen Einsatzes von Knochenspänen und des Bichat-Fettkörpers.
Sofortbelastung
Beide Techniken ermöglichten eine Sofortbelastung mit verschraubten provisorischen Prothesen innerhalb von 24 Stunden nach dem Eingriff.
6. Klinische Analyse
Das Hauptinteresse dieser Studie liegt darin, dass sie sich nicht ausschließlich auf die Implantatüberlebensrate beschränkt. Die Autoren zeigen, dass zwei Techniken ähnliche Erfolgsraten aufweisen können, während sie die Patienten sehr unterschiedlichen Komplikationsprofilen aussetzen.
Jochbeinimplantate erscheinen besonders wirksam, wenn bei Patienten mit extremer Oberkieferatrophie eine sofortige festsitzende Rehabilitation angestrebt wird. Ihr Hauptvorteil bleibt der Verzicht auf eine vorherige Knochenaugmentation sowie die Schnelligkeit des therapeutischen Protokolls. Ihre Nähe zur Kieferhöhle und zur Orbita erfordert jedoch ein hohes Maß an chirurgischer Expertise.
Im Gegensatz dazu profitieren moderne subperiostale Implantate von den Fortschritten der digitalen Planung, der DVT-/CBCT-Bildgebung und der additiven Fertigung. Ihr maßgeschneidertes Design scheint eine bessere Integration der Weichgewebe zu fördern und sinusbezogene Komplikationen zu reduzieren.
Ein besonders interessanter Aspekt betrifft das Management von Misserfolgen. Nach Angaben der Autoren kann die Entfernung eines Jochbeinimplantats eine spätere Reimplantation aufgrund der Resorption des Jochbeinbereichs erschweren. Im Gegensatz dazu kann ein subperiostales Implantat nach der Heilung neu konstruiert und erneut eingesetzt werden, was eine größere therapeutische Flexibilität bietet.
7. Klinische Anwendungen
Die Ergebnisse dieser Studie betreffen direkt:
- vollständig zahnlose, stark atrophierte Oberkiefer;
- Patienten, die umfangreiche Knochenaugmentationen ablehnen;
- Situationen, die eine Sofortbelastung erfordern;
- komplexe Fälle mit geringem verbleibendem Knochenvolumen;
- Indikationen für digital geplante implantologische Chirurgie.
Die Studie legt nahe, dass die Wahl zwischen Jochbeinimplantaten und subperiostalen Implantaten in erster Linie von der Anatomie des Patienten und dem Erfahrungsniveau des chirurgischen Teams bestimmt werden sollte.
8. Evidenzniveau und Limitationen
Diese Veröffentlichung entspricht einer retrospektiven Vergleichsstudie.
Obwohl die Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren einen wichtigen Vorteil darstellt, müssen mehrere Einschränkungen hervorgehoben werden:
- fehlende Randomisierung;
- monozentrische Studie;
- nicht-randomisierte Verteilung der Patienten;
- Risiko eines Selektionsbias;
- Unmöglichkeit, einen formalen Kausalzusammenhang nachzuweisen.
Die Autoren selbst empfehlen die Durchführung randomisierter kontrollierter Studien, um diese Beobachtungen zu bestätigen.
9. Wichtige Kernaussagen
- 170 Patienten wurden über 5 Jahre nachbeobachtet.
- Hohe Implantatüberlebensraten in beiden Gruppen (>96 %).
- Kein signifikanter Unterschied im Implantatüberleben zwischen den Techniken.
- Mehr sinusbezogene Komplikationen bei Jochbeinimplantaten.
- Bessere Stabilität der Weichgewebe bei subperiostalen Implantaten.
- Sofortige Rehabilitation mit beiden Ansätzen möglich.
- Kürzere Operationszeit bei Jochbeinimplantaten.
- Günstigere Möglichkeiten für eine erneute Intervention bei subperiostalen Implantaten.
- Große Bedeutung der digitalen Planung und der CBCT-Bildgebung.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Diese Studie veranschaulicht die jüngste Entwicklung individuell angefertigter subperiostaler Implantate, die lange Zeit als historische und überholte Systeme galten. Dank 3D-Druck und CAD/CAM-Technologien treten diese Implantate heute erneut als glaubwürdige Option für Patienten mit schwerer Oberkieferatrophie in Erscheinung.
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Verbesserung der periimplantären Weichgewebe einen wesentlichen klinischen Vorteil moderner subperiostaler Implantate darstellen könnte. Jochbeinimplantate behalten hingegen ihren Stellenwert in Protokollen der schnellen Sofortbelastung, allerdings um den Preis einer größeren anatomischen Komplexität.
Diese Veröffentlichung trägt somit zur aktuellen Diskussion über Rehabilitationsstrategien bei extremer Oberkieferatrophie bei und unterstreicht die zunehmende Bedeutung der digitalen Individualisierung implantologischer Behandlungen.
11. Redaktionelles Fazit
Diese fünfjährige Vergleichsstudie zeigt, dass sowohl Jochbeinimplantate als auch individuell angefertigte subperiostale Implantate bei Patienten mit schwerer Oberkieferatrophie sehr hohe Überlebensraten ermöglichen. Hinter dieser scheinbaren klinischen Gleichwertigkeit verbergen sich jedoch unterschiedliche biologische Profile. Jochbeinimplantate zeichnen sich durch ihre schnelle Umsetzung und ihre Fähigkeit zur Sofortbelastung aus, während subperiostale Implantate eine bessere Weichgewebsstabilität und eine Verringerung sinusbezogener Komplikationen zu bieten scheinen. Diese Ergebnisse stärken die Auffassung, dass der therapeutische Erfolg weniger von der Wahl einer universellen Technik als vielmehr von einer individualisierten Auswahl abhängt, die auf der Anatomie des Patienten, den prothetischen Zielen und der verfügbaren chirurgischen Expertise basiert.
