Bibliografie
Klinische Ergebnisse, Überlebensraten und Komplikationen patientenspezifischer CAD/CAM-gefertigter, additiv gefertigter (3D-gedruckter) subperiostaler Titanimplantate
- 19 Februar 2026
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Literaturübersicht
Saverio Cosola, Ernesto Vatteroni, Mohammadreza Asadi, Ugo Covani, Angelo Cardarelli, Giovanni-Battista Menchini-Fabris
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41831830/
Klinische Ergebnisse, Überlebensraten und Komplikationen patientenspezifischer CAD/CAM-gefertigter, additiv gefertigter (3D-gedruckter) subperiostaler Titanimplantate
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Clinical Outcomes, Survival, and Complications of Customized Computer-Aided Design and Manufacturing (CAD/CAM) 3-Dimensional-Printed Titanium Subperiosteal Implants
- Autoren: Saverio Cosola, Ernesto Vatteroni, Mohammadreza Asadi, Ugo Covani, Angelo Cardarelli, Giovanni-Battista Menchini-Fabris
- Fachzeitschrift: Journal of Oral and Maxillofacial Surgery
- Erscheinungsjahr: 2026
- DOI: 10.1016/j.joms.2026.02.019
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die implantologische Rehabilitation stark atrophierter Ober- und Unterkiefer zählt weiterhin zu den anspruchsvollsten Aufgaben der modernen Oralchirurgie. Konventionelle Therapiekonzepte erfordern häufig umfangreiche Knochenaugmentationsverfahren, die nicht für alle Patientinnen und Patienten geeignet sind oder mit einer erhöhten chirurgischen Belastung verbunden sein können. Die Entwicklung digitaler Behandlungsabläufe sowie moderner CAD/CAM-Technologien und des metallischen 3D-Drucks hat das Interesse an individuell gefertigten subperiostalen Titanimplantaten erneut geweckt.
Diese patientenspezifischen Implantate werden anhand der individuellen Kieferanatomie konstruiert und sollen eine implantatgestützte Sofortrehabilitation ermöglichen, ohne dass eine ausgedehnte knöcherne Rekonstruktion erforderlich ist. Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse untersucht die derzeit verfügbare Evidenz zu klinischen Ergebnissen, Implantatüberleben und Komplikationen dieser modernen Versorgungslösung bei ausgeprägter Kieferatrophie.
3. Ziel der Studie
Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse war die Bewertung der klinischen Ergebnisse individuell gefertigter CAD/CAM- und 3D-gedruckter subperiostaler Titanimplantate. Im Mittelpunkt standen die Analyse der Implantatüberlebensraten sowie die Erfassung klinischer Komplikationen, um die Vorhersagbarkeit und klinische Leistungsfähigkeit dieser Therapieoption bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Kieferatrophie zu beurteilen.
4. Methodik
Die Untersuchung wurde als systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse gemäß den PRISMA-Richtlinien durchgeführt und in PROSPERO registriert. Die Literaturrecherche umfasste PubMed/MEDLINE, Scopus, Web of Science, die Cochrane Library sowie Google Scholar und schloss Veröffentlichungen bis November 2025 ein.
Insgesamt wurden elf Studien berücksichtigt, darunter randomisierte kontrollierte Studien, Kohortenstudien und Fallserien. Die Analyse umfasste 268 Patientinnen und Patienten mit insgesamt 369 individuell gefertigten subperiostalen Titanimplantaten. Zur Berechnung der gepoolten Implantatüberlebensraten einschließlich 95%-Konfidenzintervallen wurde ein Random-Effects-Modell verwendet. Als primäre Endpunkte dienten die Implantatüberlebensrate sowie das Auftreten klinischer Komplikationen.
5. Wichtigste Ergebnisse
Die zusammengefassten Daten zeigen eine sehr hohe Erfolgswahrscheinlichkeit in den ersten Jahren nach der Implantation. Für Studien mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu drei Jahren wurde eine gepoolte Implantatüberlebensrate von 97,8 % berechnet, was auf eine hohe kurzfristige klinische Zuverlässigkeit hinweist.
Unter Einbeziehung sämtlicher Studien lag die gesamte gepoolte Überlebensrate bei 92,4 %. Die Autoren weisen jedoch auf eine erhebliche Heterogenität zwischen den Studien hin, die hauptsächlich auf Unterschiede in den Langzeitdaten zurückzuführen ist. Die Studie mit der längsten Nachbeobachtung von sechs Jahren berichtete eine Überlebensrate von 54,1 %, was auf eine deutliche Abnahme der Implantatbeständigkeit im Langzeitverlauf hindeutet.
Als häufigste unerwünschte Ereignisse wurden Weichgewebskomplikationen beschrieben. Insbesondere Implantatexpositionen und Dehiszenzen stellten die häufigsten biologischen Komplikationen dar und waren zugleich die wichtigste Ursache für späte Implantatverluste.
6. Klinische Analyse
Die Ergebnisse dieser Metaanalyse verdeutlichen, dass kurzfristige Implantaterfolge nicht zwangsläufig mit einer langfristig stabilen Versorgung gleichzusetzen sind. Obwohl individuell gefertigte subperiostale Implantate in den ersten Jahren eine hohe Erfolgsquote aufweisen, scheint ihre langfristige Prognose maßgeblich von der Gesundheit der periimplantären Weichgewebe abhängig zu sein.
Die Studie macht deutlich, dass die Implantatüberlebensrate allein den klinischen Behandlungserfolg nur unzureichend widerspiegelt. Biologische Komplikationen der Weichgewebe können trotz initial stabiler Implantate zu späteren Misserfolgen führen. Daraus ergibt sich die Bedeutung einer sorgfältigen Patientenselektion sowie einer langfristigen klinischen Nachsorge mit besonderem Augenmerk auf die periimplantären Gewebe.
Für Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter Kieferatrophie, bei denen konventionelle augmentative Verfahren nicht geeignet erscheinen, können individuell gefertigte subperiostale Implantate eine sinnvolle therapeutische Alternative darstellen. Die Interpretation der Ergebnisse sollte jedoch die methodischen Unterschiede der eingeschlossenen Studien sowie die begrenzte Langzeitevidenz berücksichtigen.
7. Klinische Anwendung
Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit sind insbesondere für die implantologische Versorgung schwer atrophierter Kiefer von Bedeutung.
Patientenspezifische CAD/CAM-gefertigte und 3D-gedruckte subperiostale Titanimplantate können als Salvage-Therapie in Betracht gezogen werden, wenn umfangreiche Knochenaugmentationen oder konventionelle enossale Implantate nicht die bevorzugte Behandlungsoption darstellen. Gleichzeitig unterstreichen die vorliegenden Daten die Bedeutung einer konsequenten Langzeitnachsorge, da Komplikationen der Weichgewebe einen wesentlichen Einfluss auf den langfristigen Behandlungserfolg haben.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse und damit um eine wissenschaftliche Arbeit mit hohem Evidenzniveau. Die Aussagekraft der Ergebnisse hängt jedoch wesentlich von der Qualität und Vergleichbarkeit der eingeschlossenen Studien ab.
Die Autoren berichten über eine deutliche Heterogenität der verfügbaren Studien, insbesondere hinsichtlich der Langzeitergebnisse. Diese Variabilität sollte bei der Interpretation der gepoolten Überlebensraten berücksichtigt werden. Weitere methodische Einschränkungen werden im vorliegenden Abstract nicht näher beschrieben.
Informationen zu Interessenkonflikten oder finanziellen Beziehungen der Autoren zu Implantatherstellern sind in den bereitgestellten Daten nicht enthalten.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse.
- Evidenzniveau: Hoch.
- Eingeschlossene Studien: 11.
- Patientenzahl: 268.
- Anzahl der Implantate: 369 patientenspezifische subperiostale Titanimplantate.
- Maximale Nachbeobachtungszeit: Bis zu 6 Jahre.
- Primäre Endpunkte: Implantatüberleben und klinische Komplikationen.
- Wichtigstes Ergebnis: Sehr hohe kurzfristige Implantatüberlebensrate (97,8 % innerhalb von drei Jahren), jedoch abnehmende Langzeitergebnisse mit Weichgewebskomplikationen als häufigster Ursache später Implantatverluste.
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Patientenspezifische subperiostale Implantate ermöglichen vorhersagbare kurzfristige Ergebnisse, ihre langfristige Leistungsfähigkeit wird jedoch durch biologische Weichgewebskomplikationen eingeschränkt.
- Wesentliche Limitationen: Erhebliche Heterogenität der eingeschlossenen Studien; weitere methodische Einschränkungen werden im verfügbaren Abstract nicht beschrieben.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Diese systematische Übersichtsarbeit liefert eine aktuelle Zusammenfassung der verfügbaren Evidenz zu modernen CAD/CAM-gefertigten und additiv hergestellten subperiostalen Titanimplantaten. Sie bestätigt, dass diese Technologie eine praktikable Behandlungsoption für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit schwerer Kieferatrophie darstellen kann und erweitert die wissenschaftliche Diskussion über die reine Betrachtung der Implantatüberlebensrate hinaus.
Besonders hervorzuheben ist die Erkenntnis, dass biologische Weichgewebskomplikationen einen entscheidenden Einfluss auf den langfristigen Behandlungserfolg besitzen. Dadurch wird deutlich, dass zukünftige Studien neben dem Implantatüberleben auch biologische und funktionelle Erfolgsparameter stärker berücksichtigen sollten.
Darüber hinaus macht die Arbeit den Bedarf an methodisch hochwertigen Langzeitstudien mit standardisierten Untersuchungsprotokollen deutlich, um die Rolle patientenspezifischer subperiostaler Implantate innerhalb moderner implantologischer Therapiekonzepte präziser definieren zu können.
11. Redaktionelles Fazit
Diese systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zeigt, dass individuell gefertigte CAD/CAM- und 3D-gedruckte subperiostale Titanimplantate bei schwerer Kieferatrophie kurzfristig sehr zuverlässige klinische Ergebnisse ermöglichen können. Gleichzeitig weisen die verfügbaren Daten darauf hin, dass biologische Komplikationen der Weichgewebe den langfristigen Behandlungserfolg wesentlich beeinflussen. Die derzeitige Evidenz spricht daher für einen gezielten Einsatz dieser Implantate als Salvage-Option bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten, wobei eine langfristige klinische Nachsorge unverzichtbar bleibt.
