Bibliografie
Maßgefertigte subperiostale Titanimplantate aus Direct Metal Laser Sintering (DMLS): Eine retrospektive klinische Studie an 70 Patienten
- 28 Mai 2018
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Mauro Cerea, Giorgio Andrea Dolcini
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29998133/
Maßgefertigte subperiostale Titanimplantate aus Direct Metal Laser Sintering (DMLS): Eine retrospektive klinische Studie an 70 Patienten
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Maßgefertigte subperiostale Titanimplantate aus Direct Metal Laser Sintering (DMLS): Eine retrospektive klinische Studie an 70 Patienten
- Autoren: Mauro Cerea, Giorgio Andrea Dolcini
- Wissenschaftliche Zeitschrift: BioMed Research International
- Erscheinungsjahr: 2018
- DOI: 10.1155/2018/5420391
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Behandlung von Patienten mit schwerer Knochenatrophie der Kiefer stellt weiterhin eine bedeutende Herausforderung in der oralen Implantologie dar. Wenn das verbleibende Knochenvolumen für die Insertion konventioneller enossaler Implantate nicht mehr ausreicht, basieren die therapeutischen Protokolle in der Regel auf verschiedenen Techniken der Knochenrekonstruktion oder auf der Anwendung spezifischer Implantatkonzepte.
Diese Ansätze können jedoch zu einer erhöhten chirurgischen Komplexität, höheren Behandlungskosten und einer verlängerten Gesamtdauer der Rehabilitation führen. In diesem Zusammenhang stellen subperiostale Implantate eine historische Alternative dar, die mit dem Aufkommen der modernen Osseointegration allmählich in den Hintergrund trat.
Die Entwicklung digitaler Arbeitsabläufe in der Oralchirurgie, die DVT/CBCT, computergestützte Konstruktion (CAD/CAM) und metallische additive Fertigung kombinieren, hat die Möglichkeit eröffnet, dieses Konzept neu zu beleben. Diese Studie reiht sich in diese technologische Entwicklung ein und bewertet individuell angefertigte subperiostale Titanimplantate, die mittels Direct Metal Laser Sintering (DMLS) hergestellt wurden.
3. Ziel der Studie
Das Hauptziel der Autoren war zweifach.
Einerseits sollte ein digitales Protokoll vorgestellt werden, das die Konstruktion und Herstellung individuell angefertigter subperiostaler Titanimplantate auf Grundlage eines vollständig digitalen Workflows ermöglicht.
Andererseits sollten die mit dieser therapeutischen Lösung erzielten klinischen Ergebnisse analysiert werden, insbesondere hinsichtlich der Implantatüberlebensrate und der nach prothetischer Belastung beobachteten Komplikationen.
4. Methodik
Es handelt sich um eine retrospektive klinische Studie, die auf den Patientenakten von fünf privaten Zahnarztpraxen in Norditalien basiert.
Die Einschlusskriterien umfassten Patienten über 60 Jahre, die zwischen 2014 und 2015 ein individuell angefertigtes subperiostales Titanimplantat aus DMLS erhalten hatten, mit einer festsitzenden Versorgung und einer Mindestnachbeobachtungszeit von zwei Jahren.
Raucher und Bruxismus-Patienten wurden ausgeschlossen.
Insgesamt wurden 70 Patienten nach Ausschluss von fünf unvollständigen Akten oder Akten ohne verfügbares abschließendes Follow-up in die Analyse aufgenommen.
Die wichtigsten Bewertungskriterien waren:
- Implantatüberleben;
- unmittelbare postoperative Komplikationen;
- biologische Komplikationen;
- prothetische Komplikationen während der Nachbeobachtungszeit.
Das Protokoll basierte auf einer digitalen Planung, die CBCT, dreidimensionale Rekonstruktion, CAD/CAM-Konstruktion und die additive DMLS-Fertigung subperiostaler Strukturen aus Titan Grad 5 integrierte.
5. Hauptergebnisse
Nach zwei Jahren Nachbeobachtung waren 67 der 70 Implantate weiterhin in Funktion.
Drei Implantate mussten aufgrund rezidivierender Infektionen entfernt werden, die als nicht kontrollierbar eingestuft wurden. Dies entspricht einer Implantatüberlebensrate von 95,8 %.
Bezüglich der unmittelbaren postoperativen Phase zeigten vier Patienten Beschwerden wie Schmerzen, Unbehagen, Ödeme oder Blutungen. Diese Ereignisse konnten medikamentös behandelt werden, ohne dass Implantate verloren gingen. Die berichtete Inzidenz betrug 5,7 %.
Während der Nachbeobachtungszeit wurde lediglich eine persistierende biologische Komplikation beobachtet. Dieser Patient benötigte mehrere Antibiotikatherapien sowie wiederholte professionelle Hygienesitzungen, ohne dass das Implantat entfernt werden musste. Die Inzidenz dieser biologischen Komplikationen wurde auf 1,4 % geschätzt.
Die prothetischen Komplikationen betrafen hauptsächlich provisorische Restaurationen aus Acrylharz sowie zwei Fälle von Keramikabplatzungen an den definitiven Versorgungen. Ihre Gesamtinzidenz betrug 8,9 %.
6. Klinische Analyse
Diese Studie liefert interessante klinische Daten zu einem Ansatz, der das Konzept der subperiostalen Implantate in ein modernes digitales Umfeld zurückführt.
Die Originalität des Protokolls liegt weniger im Prinzip des subperiostalen Implantats selbst als vielmehr in dessen Konstruktion und Herstellung. Durch dreidimensionale Planung und additive Titanfertigung versuchen die Autoren, mehrere Schwierigkeiten zu lösen, die historisch mit diesen Implantaten verbunden waren, insbesondere die unzureichende Anpassung an die knöcherne Anatomie und die komplexe Herstellung.
Die beobachteten Ergebnisse legen nahe, dass bei Patienten mit fortgeschrittener Knochenatrophie eine festsitzende implantatgetragene Rehabilitation erreicht werden kann, ohne routinemäßig auf Knochenaugmentationsverfahren zurückgreifen zu müssen. Diese Perspektive ist insbesondere für ältere Patienten relevant, bei denen umfangreiche rekonstruktive Eingriffe schwer akzeptierbar oder schwierig durchzuführen sein können.
Dennoch ist bei der Interpretation dieser Daten Vorsicht geboten. Das Fehlen einer Kontrollgruppe erlaubt keinen direkten Vergleich dieser Strategie mit konventionellen Techniken der Knochenregeneration oder mit Jochbeinimplantaten. Darüber hinaus zeigen die beobachteten infektiösen Komplikationen, dass das biologische Management dieser Implantate weiterhin einen kritischen Punkt darstellt.
Die Ergebnisse sollten daher als ermutigende vorläufige Daten und nicht als endgültige Validierung der Technik betrachtet werden.
7. Klinische Anwendungen
Die Daten dieser Studie erscheinen insbesondere in folgenden Situationen relevant:
- schwere Knochenatrophie der Kiefer;
- zahnlose oder stark teilbezahnte Patienten, die eine festsitzende implantatgetragene Rehabilitation benötigen;
- Situationen, in denen die Insertion konventioneller enossaler Implantate schwierig erscheint;
- ältere Patienten, die komplexe Knochenaugmentationsprotokolle ablehnen oder nicht durchführen möchten;
- Integration eines digitalen Workflows mit CBCT, dreidimensionaler Planung und CAD/CAM-Fertigung.
Die Autoren präsentieren diesen Ansatz als potenzielle therapeutische Option, wenn konventionelle Alternativen begrenzt oder schwierig umzusetzen sind.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Das Evidenzniveau entspricht dem einer retrospektiven beobachtenden klinischen Studie.
Die Ergebnisse basieren auf der Analyse von 70 Patienten, die über zwei Jahre nachbeobachtet wurden. Dies liefert nützliche klinische Informationen, erlaubt jedoch keine Aussage über eine Überlegenheit gegenüber anderen therapeutischen Strategien.
Die Autoren selbst nennen mehrere Limitationen:
- retrospektiver Charakter der Studie;
- relativ begrenzte Stichprobengröße;
- auf zwei Jahre beschränkte Nachbeobachtungsdauer;
- Fehlen mittel- und langfristiger Daten;
- Fehlen eines direkten Vergleichs mit anderen Behandlungen.
Hinsichtlich der Transparenz geben die Autoren an, dass die Studie eigenfinanziert wurde, und erklären, dass keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit dieser Arbeit bestehen.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Retrospektive klinische Studie
- Evidenzniveau: Retrospektive Beobachtungsstudie
- Analysierte Population: Patienten über 60 Jahre mit schwerer Knochenatrophie
- Anzahl der Patienten: 70
- Anzahl der Implantate: 70
- Nachbeobachtungsdauer: 2 Jahre
- Primär bewertetes Kriterium: Implantatüberleben und Komplikationen
- Hauptergebnis: Implantatüberlebensrate von 95,8 %
- Biologische Komplikationen: 1,4 % der überlebenden Implantate
- Prothetische Komplikationen: 8,9 % der überlebenden Implantate
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Günstige kurzfristige klinische Ergebnisse für individuell angefertigte subperiostale Titanimplantate aus DMLS bei Patienten mit schwerer Knochenatrophie
- Mögliche Limitationen: Retrospektive Studie, relativ kleine Stichprobe, auf zwei Jahre begrenzte Nachbeobachtung, Fehlen einer Kontrollgruppe
10. Wissenschaftlicher Einfluss
Diese Publikation trägt zur wissenschaftlichen Neubewertung subperiostaler Implantate im digitalen Zeitalter bei. Während diese Implantatfamilie weitgehend aus der modernen klinischen Praxis verschwunden war, zeigen die Autoren, dass eine individualisierte Fertigung auf Basis dreidimensionaler Rekonstruktion und DMLS-Technologie eine neue Anwendung dieses Konzepts ermöglicht.
Das Interesse der Studie liegt zudem in der vollständigen Integration des digitalen Workflows – von der CBCT-Aufnahme bis hin zur individuellen Herstellung des Implantats und der implantatgetragenen Prothese.
Auch wenn die Daten auf eine relativ kurze Nachbeobachtungszeit beschränkt bleiben, liefert diese Studie dokumentierte klinische Ergebnisse, die als Grundlage für robustere prospektive Forschungen dienen können. Sie trägt somit zur Erweiterung der Literatur über therapeutische Lösungen für Patienten mit fortgeschrittener Knochenatrophie bei.
11. Redaktionelle Schlussfolgerung
Diese retrospektive Studie hebt das Potenzial individuell angefertigter subperiostaler Implantate hervor, die mittels DMLS-Technologie hergestellt werden, zur Behandlung älterer Patienten mit schwerer Knochenatrophie. Die berichteten Ergebnisse zeigen eine hohe Implantatüberlebensrate nach zwei Jahren sowie eine begrenzte Anzahl biologischer Komplikationen. Angesichts des Evidenzniveaus, des Fehlens einer Vergleichsgruppe und der begrenzten klinischen Nachbeobachtung sollten diese Daten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. Größere prospektive Studien sind weiterhin erforderlich, um die Rolle dieses Ansatzes in der komplexen implantologischen Rehabilitation langfristig zu bestätigen.
