Bibliografie
Oberkieferrehabilitation nach den Folgen von Jochbeinimplantaten unter Verwendung individueller subperiostaler Implantate: Ein Fallbericht
- 17 November 2024
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Alternativen zu Subperiostale Implantate
Frederico Rodger Gomes Rodrigues Cardoso, Ricardo Grillo
Full text link : https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39551184/
Oberkieferrehabilitation nach den Folgen von Jochbeinimplantaten unter Verwendung individueller subperiostaler Implantate: Ein Fallbericht
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Oberkieferrehabilitation nach den Folgen von Jochbeinimplantaten unter Verwendung individueller subperiostaler Implantate: Ein Fallbericht
- Autoren: Frederico Rodger Gomes Rodrigues Cardoso, Ricardo Grillo
- Wissenschaftliche Zeitschrift: Journal of Stomatology, Oral and Maxillofacial Surgery
- Erscheinungsjahr: 2024
- DOI: 10.1016/j.jormas.2024.102154
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Behandlung stark atrophierter Oberkiefer bleibt eine der komplexesten Herausforderungen in der dentalen Implantologie und der Oralchirurgie. Wenn das verbleibende Knochenvolumen nicht mehr ausreicht, um konventionelle Implantate aufzunehmen, können verschiedene therapeutische Strategien in Betracht gezogen werden, darunter Knochenaugmentationen, Jochbeinimplantate oder bestimmte individualisierte Ansätze auf Grundlage digitaler Technologien.
Das Aufkommen digitaler Workflows, der dreidimensionalen virtuellen Planung und der additiven Fertigung hat die Möglichkeiten der implantologischen Rehabilitation grundlegend verändert. Diese Innovationen ermöglichen heute die Entwicklung individueller Implantate, die an die spezifische Anatomie jedes Patienten angepasst sind.
Der Artikel ist in diesen besonderen technologischen und klinischen Kontext eingebettet. Er behandelt eine besonders schwierige Rehabilitationssituation, die durch das frühere Versagen von Jochbeinimplantaten in Verbindung mit chronischen entzündlichen Komplikationen gekennzeichnet ist. Diese Art von Situation stellt eine bedeutende Herausforderung für Behandler dar, die mit den Folgen komplexer Implantatmisserfolge konfrontiert sind.
3. Ziel der Studie
Ziel der Autoren war es, den klinischen Fall einer Patientin vorzustellen, die mehrere erfolglose Versuche einer Oberkieferrehabilitation durchlaufen hatte, bevor sie mit einem individuell angefertigten subperiostalen Implantat behandelt wurde, das mittels additiver Fertigung hergestellt wurde.
Die Studie soll außerdem den potenziellen Nutzen dieses Ansatzes bei der Behandlung schwerer Oberkieferatrophien sowie bei der Versorgung von Folgen fehlgeschlagener Jochbeinimplantate veranschaulichen.
4. Methodik
Es handelt sich um einen klinischen Fallbericht (Case Report), der gemäß den CARE-Richtlinien durchgeführt wurde. Die Studie betrifft eine einzige 62-jährige Patientin, Raucherin und ohne berichtete Komorbiditäten.
Die Patientin wies eine schwere Oberkieferatrophie sowie eine Vorgeschichte mehrfacher prothetischer Rehabilitationen auf. Vier Jochbeinimplantate waren mehrere Jahre zuvor inseriert worden, hatten jedoch zu chronischen Entzündungen, rezidivierenden Infektionen und Implantatinstabilität geführt.
Zur digitalen CAD/CAM-Planung wurde eine Computertomographie unter Verwendung der Software 3-matic® (Materialise) durchgeführt. Anschließend wurde ein individuelles subperiostales Titanimplantat mittels additiver Fertigung hergestellt. Während eines einzigen chirurgischen Eingriffs wurden die Jochbeinimplantate entfernt und durch das individuelle Implantat ersetzt, das mit Titanschrauben am Oberkiefer fixiert wurde.
Die berichtete Nachbeobachtungszeit betrug 18 Monate.
5. Hauptergebnisse
Die zuvor eingesetzten Jochbeinimplantate zeigten eine erhebliche klinische Exposition in Verbindung mit persistierender Periimplantitis und ausgeprägter Knochenresorption. Trotz der durchgeführten Hygienemaßnahmen konnte die klinische Situation nicht stabilisiert werden, was zu ihrer Entfernung führte.
Nach der Insertion des individuellen subperiostalen Implantats wurde etwa zwei Wochen nach dem Eingriff eine Komplikation beobachtet: eine partielle Freilegung des Implantats in einem begrenzten Bereich des Oberkiefers. Ein zweiter chirurgischer Eingriff wurde durchgeführt, um den freiliegenden Bereich mittels eines Lappens unter Verwendung des Bichat-Fettkörpers in Kombination mit einem Bindegewebstransplantat zu decken.
Nach Angaben der Autoren ermöglichte die anschließende Heilung die Durchführung der prothetischen Rehabilitation. Nach 18 Monaten Nachbeobachtung wurden weder weitere Implantatexpositionen noch andere Komplikationen berichtet. Die Patientin berichtete über eine deutliche Verbesserung der Funktion und ihrer Lebensqualität.
6. Klinische Analyse
Diese Arbeit liefert interessante Einblicke in eine relativ neue Indikation für individuelle subperiostale Implantate: die Behandlung der Folgen fehlgeschlagener Jochbeinimplantate.
Das wichtigste klinische Interesse liegt in der Möglichkeit, eine Rehabilitationslösung anzubieten, ohne auf umfangreiche Knochenrekonstruktionsprotokolle zurückgreifen zu müssen. In diesem speziellen Fall war die Knochenatrophie mit einer ausgeprägten Resorption und periimplantären Komplikationen verbunden, die die konventionellen therapeutischen Alternativen erheblich einschränkten.
Die Studie unterstreicht zudem die Bedeutung der digitalen Implantatplanung. Das virtuelle Design in Kombination mit der additiven Titanfertigung ermöglichte die Herstellung einer Struktur, die an die verbleibende Anatomie der Patientin angepasst war. Dieser Ansatz scheint die mechanische Stabilisierung der Rehabilitation trotz ungünstiger anatomischer Voraussetzungen erleichtert zu haben.
Die Ergebnisse müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. Es handelt sich um einen Einzelfall, und die Schlussfolgerungen können nicht auf alle Patienten mit schwerer Oberkieferatrophie übertragen werden. Darüber hinaus wurde eine postoperative Komplikation beobachtet, die einen weiteren chirurgischen Eingriff erforderte, was daran erinnert, dass dieser Ansatz nicht frei von biologischen Risiken ist.
Der Artikel weist außerdem auf den derzeitigen Mangel an belastbaren klinischen Daten zu individuellen subperiostalen Implantaten sowie auf die Notwendigkeit multizentrischer Studien mit einer größeren Anzahl von Patienten hin.
7. Klinische Anwendungen
Die dargestellten Ergebnisse können insbesondere in folgenden Situationen relevant sein:
- Schwere Oberkieferatrophie mit unzureichendem Knochenvolumen für konventionelle Implantate.
- Folgen fehlgeschlagener Jochbeinimplantate.
- Patienten, die eine komplexe implantologische Rehabilitation benötigen.
- Fälle, in denen eine digitale CAD/CAM-Planung eingesetzt werden kann.
- Situationen, die eine weitgehende Individualisierung der implantologischen Behandlung erfordern.
- Implantatgetragene Rehabilitation von Oberkiefern mit ausgedehnten Knochendefekten.
Der Artikel legt nahe, dass individuelle subperiostale Implantate in bestimmten komplexen Fällen eine Behandlungsoption darstellen können, ohne jedoch ihre Überlegenheit gegenüber anderen verfügbaren therapeutischen Strategien zu belegen.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Das Evidenzniveau dieser Veröffentlichung ist niedrig, da es sich um einen klinischen Fallbericht mit nur einer Patientin handelt. Die Ergebnisse beschreiben eine individuelle Erfahrung und erlauben keine verallgemeinerbaren Schlussfolgerungen für eine größere Population.
Die wichtigsten methodischen Limitationen sind:
- Fehlen einer Kontrollgruppe;
- Stichprobe auf eine einzige Patientin beschränkt;
- Unmöglichkeit, die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse zu bewerten;
- Fehlen eines direkten Vergleichs mit anderen Rehabilitationsverfahren.
Die berichtete Nachbeobachtungszeit beträgt 18 Monate und liefert mittelfristige klinische Daten, erlaubt jedoch keine Bewertung des sehr langfristigen Verhaltens des Implantats.
Hinsichtlich der Transparenz erklären die Autoren, dass keine Interessenkonflikte bestehen.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Klinischer Fallbericht (CARE Case Report)
- Evidenzniveau: Niedrig
- Population oder Anzahl analysierter Studien: 1 Patientin
- Anzahl der Patienten oder Implantate: 1 Patientin; individuelles subperiostales Implantat nach Entfernung von vier Jochbeinimplantaten
- Nachbeobachtungsdauer: 18 Monate
- Primär bewertetes Kriterium: Oberkieferrehabilitation nach Versagen von Jochbeinimplantaten
- Hauptergebnis: Funktionelle Rehabilitation mit Erhalt des individuellen Implantats bis zum Ende der berichteten Nachbeobachtungszeit
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Individuelle subperiostale Implantate erscheinen als potenzielle Option in bestimmten komplexen Fällen schwerer Oberkieferatrophie.
- Mögliche Limitationen: Einzelfall, fehlende Kontrolle, fehlende Vergleichsdaten.
10. Wissenschaftlicher Einfluss
Diese Veröffentlichung trägt zu der bislang noch begrenzten Literatur über individuelle subperiostale Implantate der neuen Generation bei. Ihr Interesse liegt weniger in der Demonstration einer verallgemeinerbaren Wirksamkeit als vielmehr in der Veranschaulichung einer implantologischen Rettungsstrategie in einem besonders komplexen klinischen Kontext.
Der Artikel hebt die Integration mehrerer Technologien hervor, die in der modernen Oralchirurgie eine zentrale Rolle spielen: computertomographische Bildgebung, CAD/CAM-Design, virtuelle Simulation und metallische additive Fertigung. Diese Werkzeuge ermöglichen die Entwicklung individueller Lösungen für Patienten, deren therapeutische Optionen eingeschränkt sein können.
Die Autoren betonen selbst die Notwendigkeit weiterer klinischer Daten, insbesondere durch multizentrische Studien und größere Kohorten.
Diese Veröffentlichung trägt somit zum schrittweisen Aufbau von Wissen über die Indikationen und Grenzen individueller subperiostaler Implantate bei der Rehabilitation stark atrophierter Oberkiefer bei.
11. Redaktionelle Schlussfolgerung
Dieser Fallbericht beschreibt eine komplexe Oberkieferrehabilitation unter Verwendung eines individuell angefertigten subperiostalen Implantats, das mittels additiver Technologie hergestellt wurde, nach dem Versagen von Jochbeinimplantaten. Trotz des Auftretens einer Implantatexposition, die einen erneuten chirurgischen Eingriff erforderlich machte, zeigte die 18-monatige Nachbeobachtung eine zufriedenstellende klinische Stabilität sowie eine von der Patientin wahrgenommene funktionelle Verbesserung. Angesichts des niedrigen Evidenzniveaus eines Einzelfalls sollten diese Ergebnisse als explorativ betrachtet werden, sie verdeutlichen jedoch das Potenzial individualisierter digitaler Ansätze bei der Behandlung schwerer Oberkieferatrophien.
