Bibliografie
Biofilmakkumulation bei vollständig zahnbogenüberspannenden, subperiostal implantatgetragenen Prothesen: Einfluss der Pontic-Gestaltung
- 16 Januar 2024
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: In-vitro-Studien
Pingyi Jia, Jingwen Yang
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38233257/
Biofilmakkumulation bei vollständig zahnbogenüberspannenden, subperiostal implantatgetragenen Prothesen: Einfluss der Pontic-Gestaltung
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Biofilm accumulation on complete arch subperiosteal implant-supported prostheses: Effect of pontic type
- Autoren: Pingyi Jia, Jingwen Yang
- Fachzeitschrift: The Journal of Prosthetic Dentistry
- Erscheinungsjahr: 2024
- DOI:1016/j.prosdent.2023.12.015
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Vollständig zahnbogenüberspannende implantatgetragene Prothesen auf subperiostalen Implantaten stellen eine Behandlungsoption für komplexe Fälle der implantologischen Rehabilitation dar. Neben funktionellen und prothetischen Anforderungen spielt die langfristige Hygienefähigkeit solcher Versorgungen eine entscheidende Rolle. Insbesondere die dem Weichgewebe zugewandte Innenseite der Prothese kann Bereiche aufweisen, die für den Patienten nur eingeschränkt zugänglich sind und dadurch die Anlagerung von Biofilm begünstigen.
Die Gestaltung des Pontics könnte daher einen wesentlichen Einfluss auf die Reinigungsfähigkeit und die biologische Langzeitpflege implantatgetragener Restaurationen haben. Ziel dieser experimentellen Untersuchung ist es, den Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Pontic-Formen und der Biofilmretention systematisch zu analysieren. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, welche prothetischen Designmerkmale die Hygienefähigkeit solcher Rekonstruktionen verbessern könnten.
3. Ziel der Studie
Ziel dieser In-vitro-Studie war es zu untersuchen, ob die Morphologie der Intagliofläche vollständig zahnbogenüberspannender, auf subperiostalen Implantaten abgestützter Prothesen die Biofilmakkumulation beeinflusst. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob anatomische Parameter wie die transmukosale Höhe oder der Abstand zwischen benachbarten Implantaten mit dem Ausmaß der Biofilmretention in Zusammenhang stehen.
4. Methodik
Es handelt sich um eine experimentelle In-vitro-Studie.
Insgesamt wurden 68 vollständig zahnbogenüberspannende implantatgetragene Prothesen mit unterschiedlichen Implantatabständen sowie vier verschiedenen Pontic-Designs hergestellt: Saddle (Sattelpontic), Flat (flach), Scalloped (girlandenförmig) und Ovate (ovoid).
Zur Simulation einer Biofilmablagerung wurde ein grünes Aerosol auf die Intagliofläche der Prothesen aufgetragen. Anschließend erfolgte eine standardisierte Reinigung mit Zahnseide. Danach wurden die Prothesen mittels Intraoralscanner digitalisiert. Die verbleibenden eingefärbten Bereiche wurden mithilfe einer dreidimensionalen makroskopischen Quantifizierungsmethode erfasst und ausgewertet. Zusätzlich bestimmten die Autoren die transmukosale Höhe sowie die Abstände zwischen den Implantaten. Die statistische Auswertung erfolgte mit Spearman-Korrelationsanalysen und Generalized Estimating Equations (GEE), wobei verschiedene prothetische und anatomische Einflussgrößen berücksichtigt wurden.
5. Wichtigste Ergebnisse
Die Auswertung zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen der transmukosalen Höhe und der Größe der Biofilmflächen (Korrelationskoeffizient = 0,208; P < 0,001). Dies deutet darauf hin, dass dieser anatomische Parameter einen messbaren Einfluss auf die Biofilmretention im Bereich der Pontics besitzt.
Nach Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren ergaben die GEE-Modelle, dass Sattelpontics signifikant mehr Biofilm zurückhielten als die übrigen untersuchten Pontic-Formen.
Demgegenüber wiesen flache (Flat) sowie ovoide (Ovate) Pontics eine signifikant geringere Biofilmretention auf. Für weitere untersuchte Variablen werden im verfügbaren Abstract keine zusätzlichen signifikanten Ergebnisse berichtet.
6. Klinische Analyse
Die Untersuchung verdeutlicht, dass die Gestaltung implantatgetragener Prothesen nicht ausschließlich unter funktionellen oder ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet werden sollte. Ebenso relevant ist die Frage, inwieweit das Design eine effektive Reinigung durch den Patienten ermöglicht.
Unter den Bedingungen dieses Laborversuchs beeinflusste die Form des Pontics die Menge des zurückbleibenden simulierten Biofilms. Insbesondere flache und ovoide Pontics zeigten eine geringere Biofilmretention als Sattelpontics. Dies spricht dafür, dass bestimmte Geometrien der Intagliofläche die Zugänglichkeit für Reinigungsmaßnahmen verbessern könnten.
Darüber hinaus weist die beobachtete Korrelation mit der transmukosalen Höhe darauf hin, dass auch anatomische Gegebenheiten bereits während der prothetischen Planung berücksichtigt werden sollten.
Die Ergebnisse dürfen jedoch nicht unmittelbar auf die klinische Praxis übertragen werden. Das verwendete In-vitro-Modell bildet weder die komplexe bakterielle Besiedlung der Mundhöhle noch den Einfluss von Speichel, Kaubelastung oder individuellen Mundhygienegewohnheiten vollständig ab. Deshalb liefern die Daten wertvolle Hinweise für die Prothesenkonstruktion, ersetzen jedoch keine klinischen Untersuchungen am Patienten.
7. Klinische Anwendung
Die Ergebnisse können bei der Planung vollständig zahnbogenüberspannender implantatgetragener Rekonstruktionen auf subperiostalen Implantaten berücksichtigt werden, wenn eine möglichst gute Reinigungsfähigkeit der Prothese angestrebt wird.
Insbesondere im Rahmen digitaler CAD/CAM-gestützter Herstellungsverfahren könnte die Wahl einer geeigneten Pontic-Geometrie dazu beitragen, die Zugänglichkeit für Hygienemaßnahmen zu verbessern. Für Implantologen, Oralchirurgen und Zahntechniker liefern die Daten Anhaltspunkte für die Gestaltung der Intagliofläche komplexer implantatprothetischer Versorgungen.
Eine Übertragung der Ergebnisse auf andere Prothesentypen oder klinische Situationen wird durch die vorliegenden Daten jedoch nicht gestützt.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine präklinische In-vitro-Untersuchung und damit um ein Evidenzniveau, das unter klinischen Studien am Menschen liegt.
Die Studie basiert auf einem kontrollierten experimentellen Versuchsaufbau mit geeigneten statistischen Auswertungsverfahren. Aufgrund des Laborcharakters lassen sich jedoch biologische Prozesse der oralen Biofilmbildung nur eingeschränkt nachbilden.
Weitere methodische Limitationen werden im verfügbaren Abstract nicht beschrieben.
Hinweise auf Interessenkonflikte oder Beziehungen der Autoren zu Herstellern werden in den bereitgestellten Informationen nicht angegeben.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Experimentelle In-vitro-Studie.
- Evidenzniveau: Präklinische Laborstudie.
- Untersuchungsmaterial: 68 vollständig zahnbogenüberspannende implantatgetragene Prothesen.
- Nachbeobachtungszeit: Nicht angegeben.
- Primärer Endpunkt: Biofilmretention in Abhängigkeit von der Pontic-Morphologie.
- Hauptergebnis: Sattelpontics zeigten die höchste Biofilmakkumulation.
- Weiteres Ergebnis: Flat- und Ovate-Pontics wiesen signifikant geringere Biofilmretention auf; die transmukosale Höhe korrelierte signifikant mit der Biofilmfläche.
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Sowohl die Gestaltung des Pontics als auch die transmukosale Höhe beeinflussen die Biofilmretention unter den Bedingungen dieses experimentellen Modells.
- Limitationen: In-vitro-Design; weitere Einschränkungen werden in den bereitgestellten Informationen nicht beschrieben.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Die Studie erweitert das Verständnis darüber, welche Rolle die Gestaltung der Intagliofläche bei der biologischen Erhaltung implantatgetragener Rekonstruktionen spielen kann. Während sich viele Untersuchungen auf mechanische Stabilität oder ästhetische Aspekte konzentrieren, richtet diese Arbeit den Fokus auf die Hygienefähigkeit als wichtigen Bestandteil des langfristigen Behandlungserfolgs.
Obwohl die Ergebnisse ausschließlich auf einem experimentellen Modell beruhen, liefern sie eine wissenschaftliche Grundlage für zukünftige klinische Studien. Insbesondere die geringere Biofilmretention bei flachen und ovoiden Pontics könnte Anlass geben, unterschiedliche Prothesendesigns künftig unter realen klinischen Bedingungen weiter zu untersuchen. Damit trägt die Studie zur Optimierung implantatprothetischer Versorgungskonzepte bei, ohne bereits definitive klinische Empfehlungen abzuleiten.
11. Redaktionelles Fazit
Diese präklinische Untersuchung zeigt, dass die Form des Pontics einen messbaren Einfluss auf die simulierte Biofilmretention bei vollständig zahnbogenüberspannenden, subperiostal implantatgetragenen Prothesen hat. Flache und ovoide Pontics erwiesen sich im Laborversuch als günstiger hinsichtlich der Reinigungsfähigkeit als Sattelpontics. Darüber hinaus scheint auch die transmukosale Höhe die Biofilmakkumulation zu beeinflussen. Die Ergebnisse liefern wertvolle Hinweise für die prothetische Planung, sollten jedoch aufgrund des In-vitro-Designs erst durch klinische Studien bestätigt werden.
