Bibliografie
Festsitzende Unterkieferprothese auf einem 3D-gedruckten subperiostalen Implantat: Ein Fallbericht
- 1 August 2024
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Ayşe Rençber Kızılkaya, Aslı Sağsöz, Serkan Dündar, Alihan Bozoğlan, Nurullah Düger, Erhan Cahit Özcan
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38699946/
Festsitzende Unterkieferprothese auf einem 3D-gedruckten subperiostalen Implantat: Ein Fallbericht
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Mandibular Fixed Prosthesis With a 3D-Printed Subperiosteal Implant: A Case Report
- Autoren: Ayşe Rençber Kızılkaya, Aslı Sağsöz, Serkan Dündar, Alihan Bozoğlan, Nurullah Düger, Erhan Cahit Özcan
- Fachzeitschrift: Journal of Oral Implantology (in den bereitgestellten Informationen nicht ausdrücklich genannt, jedoch anhand des DOI identifizierbar)
- Erscheinungsjahr: 2024
- DOI:1563/aaid-joi-D-24-00045
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die implantologische Rehabilitation eines stark atrophierten posterioren Unterkiefers gehört zu den anspruchsvollsten Herausforderungen der oralen Chirurgie. Eine ausgeprägte Knochenatrophie erschwert häufig die Insertion konventioneller enossaler Implantate, sodass in vielen Fällen zunächst eine Knochenaugmentation erforderlich wäre. Da diese zusätzlichen chirurgischen Eingriffe nicht von allen Patienten akzeptiert werden und den Behandlungsablauf verlängern können, gewinnen alternative Therapiekonzepte zunehmend an Bedeutung.
Mit den Fortschritten in der digitalen Implantologie erleben patientenspezifische subperiostale Implantate eine Renaissance. Moderne CAD/CAM-Technologien in Kombination mit dem metallischen 3D-Druck ermöglichen die Herstellung individuell angepasster Implantate entsprechend der anatomischen Situation des Patienten. Der vorliegende Fallbericht beschreibt den Einsatz dieser digitalen Fertigungstechnologien zur festsitzenden prothetischen Versorgung eines partiell zahnlosen, atrophierten Unterkiefers.
3. Ziel der Studie
Ziel dieser Fallbeschreibung war es, die Versorgung eines partiell zahnlosen posterioren Unterkiefers mit ausgeprägter Atrophie durch individuell gefertigte subperiostale Implantate darzustellen. Die Autoren wollten zeigen, dass mithilfe eines vollständig digitalen CAD/CAM-Workflows und metallischer 3D-Drucktechnologie eine festsitzende implantatgetragene Rehabilitation möglich sein kann, wenn ein Patient eine Knochenaugmentation ablehnt.
4. Methodik
Es handelt sich um einen klinischen Fallbericht.
Beschrieben wird die Behandlung eines 58-jährigen Patienten mit erhaltenen Frontzähnen im Unterkiefer und partieller Zahnlosigkeit im posterioren Bereich. Zur Rehabilitation wurden zwei individuell angefertigte subperiostale Implantate eingesetzt. Die Implantate wurden mittels digitaler CAD/CAM-Planung entwickelt und aus gesintertem Titan im 3D-Metalldruck hergestellt. Sie verfügten über eine universelle externe Implantatverbindung.
Anschließend erfolgte die Versorgung mit einer festsitzenden implantatgetragenen Prothese.
Angaben zur Nachbeobachtungszeit, zu klinischen Bewertungsparametern oder zu detaillierten chirurgischen beziehungsweise prothetischen Protokollen sind im verfügbaren Abstract nicht enthalten.
5. Wesentliche Ergebnisse
Nach Angaben der Autoren konnte die festsitzende prothetische Rehabilitation erfolgreich abgeschlossen werden.
Der geschilderte Fall zeigt, dass eine patientenspezifische subperiostale Implantatlösung bei einem stark atrophierten posterioren Unterkiefer eine Versorgung ohne vorausgehende Knochenaugmentation ermöglichen kann, sofern diese vom Patienten nicht gewünscht wird. Darüber hinaus weisen die Autoren darauf hin, dass dieses Therapiekonzept den Behandlungsablauf vereinfachen kann, da lediglich ein chirurgischer Eingriff erforderlich ist und sich dadurch die gesamte Behandlungsdauer möglicherweise verkürzt.
Das Abstract enthält jedoch keine quantitativen Angaben zu Implantatüberleben, biologischen oder mechanischen Komplikationen, periimplantären Parametern oder Langzeitergebnissen. Abschließend betonen die Autoren die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen mit größeren Patientenkollektiven und längeren Beobachtungszeiträumen.
6. Klinische Analyse
Der wissenschaftliche Wert dieses Fallberichts liegt vor allem in der Veranschaulichung der technischen Machbarkeit patientenspezifischer subperiostaler Implantate im Rahmen moderner digitaler Behandlungsabläufe. Die Kombination aus digitaler Planung, CAD/CAM-Technologie und metallischem 3D-Druck ermöglicht eine individuelle Anpassung des Implantats an die vorhandene Kieferanatomie.
Aus klinischer Sicht erweitert dieser Ansatz potenziell das therapeutische Spektrum für Patienten mit ausgeprägter mandibulärer Atrophie, insbesondere wenn rekonstruktive Knochenaufbaumaßnahmen nicht gewünscht werden. Gleichzeitig liefert die Studie keine ausreichenden Daten, um Aussagen über die langfristige klinische Vorhersagbarkeit oder eine mögliche Überlegenheit gegenüber etablierten implantologischen Verfahren zu treffen.
Da lediglich ein einzelner Patientenfall beschrieben wird und weder Vergleichsgruppen noch Langzeitdaten vorliegen, sollten die Ergebnisse als vorläufige klinische Erfahrung interpretiert werden. Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass weitere klinische Untersuchungen erforderlich sind, um Sicherheit, Erfolgsraten und Langzeitstabilität dieses Behandlungskonzeptes zu bestätigen.
7. Klinische Anwendungen
Auf Grundlage der verfügbaren Informationen könnte dieses Behandlungskonzept insbesondere in folgenden Situationen relevant sein:
- Rehabilitation eines stark atrophierten posterioren Unterkiefers.
- Teilbezahnte Patienten, die eine Knochenaugmentation ablehnen.
- Digitale implantologische Behandlungsplanung mittels CAD/CAM.
- Herstellung patientenspezifischer subperiostaler Implantate durch metallischen 3D-Druck.
- Festsitzende implantatgetragene prothetische Versorgung.
Die vorliegenden Daten erlauben jedoch keine abschließende Beurteilung der Indikationen, Kontraindikationen oder der langfristigen klinischen Leistungsfähigkeit dieser Therapieoption.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Bei dieser Publikation handelt es sich um einen Fallbericht, der innerhalb der evidenzbasierten Medizin ein niedriges Evidenzniveau besitzt.
Die wesentlichen methodischen Einschränkungen bestehen in der Beschreibung eines einzelnen Patienten ohne Kontrollgruppe sowie im Fehlen quantitativer klinischer Endpunkte. Darüber hinaus werden weder Nachbeobachtungsdauer noch objektive Erfolgsparameter oder Komplikationsraten im verfügbaren Abstract angegeben.
Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass Studien mit größeren Patientenzahlen und längerer Nachbeobachtung erforderlich sind, um ihre Beobachtungen zu bestätigen.
Hinweise auf Interessenkonflikte oder Beziehungen zu Implantatherstellern sind in den bereitgestellten Informationen nicht enthalten.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Klinischer Fallbericht.
- Evidenzniveau:
- Population: Ein Patient.
- Anzahl der Implantate: Zwei patientenspezifische subperiostale Implantate.
- Patientenalter: 58 Jahre.
- Nachbeobachtungszeit: In den bereitgestellten Informationen nicht angegeben.
- Primärer Endpunkt: Festsitzende Rehabilitation des Unterkiefers mittels individuell gefertigter 3D-gedruckter subperiostaler Implantate.
- Hauptergebnis: Erfolgreiche festsitzende prothetische Versorgung des beschriebenen Patienten.
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Individuell gefertigte subperiostale Implantate könnten für ausgewählte Patienten mit ausgeprägter Kieferatrophie eine Behandlungsalternative darstellen; zur Bestätigung sind jedoch weiterführende klinische Studien erforderlich.
- Limitationen: Einzelner Patientenfall, fehlende quantitative Ergebnisse und keine Langzeitdaten.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Diese Veröffentlichung erweitert die wissenschaftliche Literatur über patientenspezifische subperiostale Implantate im Zeitalter digitaler Implantologie. Ihr besonderer Beitrag liegt weniger in einer Bestätigung der klinischen Wirksamkeit als vielmehr in der Darstellung eines individualisierten digitalen Behandlungskonzeptes unter Einsatz moderner CAD/CAM-Technologien und additiver Fertigung.
Der Fallbericht verdeutlicht das Potenzial maßgeschneiderter Implantatlösungen für komplexe anatomische Situationen und unterstützt die weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Therapieansatz. Gleichzeitig unterstreichen die Autoren selbst die Notwendigkeit prospektiver Studien mit größeren Patientenkollektiven und längeren Beobachtungszeiträumen, bevor allgemeingültige Aussagen über Sicherheit, Langzeiterfolg und klinische Routineanwendung getroffen werden können.
11. Redaktionelles Fazit
Dieser Fallbericht zeigt das Potenzial individuell gefertigter, 3D-gedruckter subperiostaler Implantate für die Versorgung ausgewählter Patienten mit ausgeprägter Unterkieferatrophie, insbesondere wenn eine Knochenaugmentation nicht infrage kommt oder vom Patienten abgelehnt wird. Die Kombination aus digitaler Planung und CAD/CAM-gestützter Fertigung demonstriert eine vielversprechende technische Machbarkeit. Aufgrund des niedrigen Evidenzniveaus sowie fehlender Langzeitdaten sollten die Ergebnisse jedoch mit der gebotenen wissenschaftlichen Zurückhaltung interpretiert werden. Weitere klinische Studien sind erforderlich, um die langfristige Sicherheit und Vorhersagbarkeit dieses Behandlungskonzeptes zu belegen.
