Bibliografie
Klinisches Verhalten und Komplikationen CAD/CAM-gefertigter subperiostaler Implantate zur Versorgung festsitzender Teilrekonstruktionen: Ein Scoping-Review
- 23 Januar 2026
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Literaturübersicht
Miguel Ruiz-Rincón, Luis Sánchez-Labrador, Tomás Beca-Campoy, Jorge Cortés-Bretón Brinkmann, Juan López-Quiles, José María Martínez-González.
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41688242/
Klinisches Verhalten und Komplikationen CAD/CAM-gefertigter subperiostaler Implantate zur Versorgung festsitzender Teilrekonstruktionen: Ein Scoping-Review
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Clinical behaviour and complications of CAD-CAM subperiosteal implants supporting fixed partial restorations: a scoping review.
- Autoren: Miguel Ruiz-Rincón, Luis Sánchez-Labrador, Tomás Beca-Campoy, Jorge Cortés-Bretón Brinkmann, Juan López-Quiles, José María Martínez-González.
- Fachzeitschrift: British Journal of Oral and Maxillofacial Surgery
- Erscheinungsjahr: 2026
- DOI: 10.1016/j.bjoms.2025.12.001
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die implantologische Versorgung teilbezahnter Patienten mit ausgeprägter Alveolarkammatrophie stellt weiterhin eine erhebliche therapeutische Herausforderung dar. In vielen Fällen ist die Insertion konventioneller enossaler Implantate nur nach umfangreichen augmentativen Maßnahmen möglich, beispielsweise durch geführte Knochenregeneration, Sinusbodenelevation oder andere rekonstruktive Verfahren. Obwohl diese Techniken klinisch etabliert sind, gehen sie häufig mit einer höheren chirurgischen Komplexität, längeren Behandlungszeiten sowie einer erhöhten Morbidität und Kostenbelastung einher.
Durch die Fortschritte der digitalen Zahnmedizin haben individuell gefertigte subperiostale Implantate in den vergangenen Jahren erneut an Bedeutung gewonnen. Moderne CAD/CAM-Technologien ermöglichen patientenspezifische Implantatkonstruktionen, die anhand dreidimensionaler Bildgebung präzise an die verbliebene Knochenanatomie angepasst werden können. Während sich zahlreiche Veröffentlichungen bereits mit der Versorgung vollständig zahnloser Kiefer beschäftigen, lagen bislang nur wenige Daten zur Anwendung bei festsitzenden Teilrekonstruktionen vor. Das vorliegende Scoping-Review fasst daher den aktuellen Kenntnisstand zu dieser speziellen Indikation systematisch zusammen.
3. Ziel der Studie
Ziel dieser Arbeit war es, die derzeit verfügbare wissenschaftliche Evidenz zum klinischen Verhalten CAD/CAM-gefertigter subperiostaler Implantate bei festsitzenden Teilrekonstruktionen zu erfassen und systematisch auszuwerten. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Implantatüberlebensrate sowie das Auftreten biologischer und mechanischer Komplikationen, die in den verfügbaren klinischen Studien beschrieben wurden.
4. Methodik
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um ein Scoping-Review, das gemäß den Empfehlungen der PRISMA-ScR-Richtlinien durchgeführt wurde. Das Studienprotokoll wurde vor Beginn der Literaturrecherche im Open Science Framework (OSF) registriert. Ziel war es, die vorhandene klinische Evidenz zu CAD/CAM-gefertigten subperiostalen Implantaten für festsitzende Teilrekonstruktionen bei teilbezahnten Patienten mit ausgeprägter Alveolarkammatrophie systematisch zu erfassen.
Die Literaturrecherche erfolgte in den Datenbanken MEDLINE/PubMed, Web of Science, Cochrane Library und Scopus. Ergänzend wurden die Literaturverzeichnisse der identifizierten Publikationen manuell überprüft sowie eine Recherche in der sogenannten grauen Literatur durchgeführt. Eingeschlossen wurden randomisierte klinische Studien, Kohortenstudien, Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien sowie Fallserien mit mindestens drei Patienten und einer Nachbeobachtungszeit von mindestens einem Jahr. Ausgeschlossen wurden Einzelfallberichte, Tier- und In-vitro-Studien sowie Arbeiten, die keine getrennte Auswertung partieller Rekonstruktionen ermöglichten oder nicht CAD/CAM-gefertigte subperiostale Implantate untersuchten.
Nach Abschluss des Auswahlverfahrens erfüllten sieben klinische Studien die Einschlusskriterien. Insgesamt wurden 96 Patienten mit 121 CAD/CAM-gefertigten subperiostalen Implantaten ausgewertet. Primärer Endpunkt war die Implantatüberlebensrate. Als sekundäre Endpunkte wurden biologische sowie mechanisch-technische Komplikationen analysiert. Die Nachbeobachtungsdauer der eingeschlossenen Studien lag zwischen einem und vier Jahren.
5. Wichtigste Ergebnisse
Die zusammengefassten Daten zeigen eine gewichtete mittlere Implantatüberlebensrate von 99,17 %. Von den insgesamt 121 ausgewerteten Implantaten wurde lediglich ein Implantatverlust berichtet. Dieser trat im Bereich des anterioren Oberkiefers bei einem starken Raucher auf. Daraus ergab sich eine Überlebensrate von 98,77 % im Oberkiefer und 100 % im Unterkiefer innerhalb der dokumentierten Nachbeobachtungszeiträume.
Biologische Komplikationen wurden insgesamt bei 4,13 % der Implantate beschrieben. Hierzu zählten vor allem Wunddehiszenzen, Implantatexpositionen sowie vereinzelte Fälle von Knochenverlust. Der einzige Implantatverlust innerhalb der eingeschlossenen Studien stand im Zusammenhang mit einer Wunddehiszenz, die zu einer Infektion und schließlich zu einer Implantatlockerung führte.
Die Rate mechanischer Komplikationen betrug 7,44 %. Berichtet wurden vor allem Implantatinstabilitäten, Frakturen provisorischer Versorgungen während der Einheilphase sowie einzelne Fälle einer erforderlichen Rezementierung von Kronen im Langzeitverlauf. Postoperative Beschwerden wie leichte Schmerzen oder Schwellungen wurden von den Autoren ausdrücklich nicht als Komplikationen gewertet, sondern als übliche Begleiterscheinungen des chirurgischen Heilungsverlaufs eingeordnet.
6. Klinische Analyse
Dieses Scoping-Review liefert eine der ersten gezielten wissenschaftlichen Übersichten über den Einsatz CAD/CAM-gefertigter subperiostaler Implantate zur Versorgung festsitzender Teilrekonstruktionen. Während sich ein Großteil der bisherigen Literatur auf die Rehabilitation vollständig zahnloser und stark atrophierter Kiefer konzentriert, richtet diese Arbeit den Fokus auf eine deutlich spezifischere klinische Indikation. Dadurch entsteht ein aktueller Überblick über die bislang verfügbaren klinischen Erfahrungen in diesem Behandlungsbereich.
Aus klinischer Sicht deuten die zusammengefassten Ergebnisse darauf hin, dass patientenspezifische subperiostale Implantate eine sinnvolle Behandlungsoption für ausgewählte Patienten mit ausgeprägter Alveolarkammatrophie darstellen können. Insbesondere in Situationen, in denen eine konventionelle enossale Implantation umfangreiche Knochenaugmentationsmaßnahmen erforderlich machen würde, eröffnet die Kombination aus digitaler Planung, dreidimensionaler Bildgebung und CAD/CAM-Fertigung einen individualisierten rehabilitativen Ansatz. Die präzise Anpassung des Implantatgerüsts an die vorhandene Knochenmorphologie gehört dabei zu den wesentlichen Merkmalen dieses Behandlungskonzeptes.
Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass die berichteten Überlebensraten mit Zurückhaltung interpretiert werden sollten. Die eingeschlossenen Studien unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Patientenkollektiv, Indikationsstellung, chirurgischem Vorgehen, Implantatmaterialien, prothetischen Versorgungskonzepten und Nachbeobachtungsdauer. Darüber hinaus lagen keine direkten Vergleichsstudien mit etablierten Therapieverfahren wie der geführten Knochenregeneration oder konventionellen enossalen Implantaten vor. Aussagen über eine mögliche Überlegenheit der einen oder anderen Therapieform lassen sich daher aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.
Ein weiterer limitierender Faktor ist die insgesamt geringe Datenlage. Lediglich sieben Studien mit vergleichsweise kleinen Patientenzahlen konnten eingeschlossen werden. Zudem wurden potenziell relevante Einflussgrößen – beispielsweise die antagonistische Bezahnung oder der gingivale Biotyp – in den meisten Untersuchungen nicht systematisch dokumentiert. Die Autoren sehen deshalb einen klaren Bedarf an prospektiven Vergleichsstudien mit größeren Stichproben, längeren Beobachtungszeiträumen sowie einer stärkeren Berücksichtigung patientenberichteter Endpunkte (Patient-Reported Outcome Measures, PROMs), um den langfristigen Stellenwert dieser Implantattherapie verlässlich beurteilen zu können.
7. Klinische Anwendungen
Die Ergebnisse dieses Reviews sind vor allem für die Behandlung teilbezahnter Patienten mit ausgeprägter Alveolarkammatrophie von Bedeutung, bei denen eine konventionelle Implantatversorgung umfangreiche augmentative Maßnahmen erfordern würde. In diesen klinischen Situationen können CAD/CAM-gefertigte subperiostale Implantate eine patientenspezifische Alternative darstellen, die auf digitaler Implantatplanung und einer individuell angefertigten Implantatkonstruktion basiert.
Darüber hinaus beschreiben einzelne der eingeschlossenen Studien den Einsatz dieser Implantate bei maxillofazialen Defekten nach onkologischen Resektionen, wodurch sich auch ein potenzielles Anwendungsgebiet in der rekonstruktiven Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ergibt. Dennoch betonen die Autoren ausdrücklich, dass die derzeit verfügbare Evidenz nicht ausreicht, um klare klinische Empfehlungen oder definierte Indikationsgrenzen gegenüber anderen rekonstruktiven oder implantologischen Therapiekonzepten abzuleiten. Weitere vergleichende Untersuchungen sind erforderlich, bevor diese Technik einen festen Stellenwert innerhalb standardisierter Behandlungsprotokolle einnehmen kann.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um ein Scoping-Review, dessen Ziel darin besteht, den aktuellen Wissensstand systematisch zu erfassen und Forschungslücken aufzuzeigen. Im Gegensatz zu einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse oder einer randomisierten kontrollierten Studie erlaubt dieses Studiendesign keine quantitative Evidenzsynthese und liefert daher keine endgültigen klinischen Handlungsempfehlungen. Dennoch stellt es eine wertvolle Grundlage dar, um die derzeit verfügbare Evidenz zu patientenspezifischen CAD/CAM-gefertigten subperiostalen Implantaten einzuordnen.
Die Aussagekraft der Ergebnisse wird durch mehrere methodische Einschränkungen begrenzt, die von den Autoren ausdrücklich hervorgehoben werden. Insgesamt konnten lediglich sieben klinische Studien mit 96 Patienten und 121 Implantaten eingeschlossen werden. Darüber hinaus bestand eine erhebliche Heterogenität hinsichtlich der Patientenpopulationen, der chirurgischen Vorgehensweisen, der verwendeten Implantatmaterialien, der prothetischen Konzepte sowie der Nachbeobachtungszeiten. Direkte Vergleichsstudien mit etablierten Therapieverfahren – etwa der geführten Knochenregeneration oder konventionellen enossalen Implantaten – lagen nicht vor. Zusätzlich wurden mehrere potenziell prognostisch relevante Faktoren, darunter die antagonistische Bezahnung und der gingivale Biotyp, in den eingeschlossenen Studien nur unzureichend dokumentiert.
Hinsichtlich der wissenschaftlichen Transparenz erklären die Autoren, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Ferner wurde die Studie ohne spezifische finanzielle Förderung durch öffentliche oder private Institutionen durchgeführt. Die Autoren geben außerdem an, ChatGPT ausschließlich zur sprachlichen Überarbeitung und Verbesserung der Lesbarkeit des Manuskripts verwendet zu haben, wobei sie die uneingeschränkte Verantwortung für sämtliche wissenschaftlichen Inhalte übernommen haben.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Scoping-Review nach den PRISMA-ScR-Leitlinien.
- Evidenzniveau: Evidenzkartierung auf Grundlage klinischer Beobachtungsstudien; niedriger als eine systematische Übersichtsarbeit oder Metaanalyse.
- Eingeschlossene Studien: 7 klinische Untersuchungen.
- Patientenkollektiv: 96 teilbezahnte Patienten.
- Anzahl der Implantate: 121 CAD/CAM-gefertigte subperiostale Implantate.
- Nachbeobachtungszeit: Zwischen 1 und 4 Jahren.
- Primärer Endpunkt: Implantatüberleben.
- Sekundäre Endpunkte: Biologische und mechanische Komplikationen.
- Wichtigstes Ergebnis: Gewichtete mittlere Implantatüberlebensrate von 99,17 %, wobei lediglich ein Implantatverlust unter 121 Implantaten berichtet wurde.
- Biologische Komplikationen: Gesamtrate von 4,13 %.
- Mechanische Komplikationen: Gesamtrate von 7,44 %.
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: CAD/CAM-gefertigte subperiostale Implantate können für ausgewählte Patienten mit schwerer Alveolarkammatrophie eine vielversprechende Behandlungsoption darstellen. Die derzeitige Evidenz ist jedoch begrenzt und sollte durch hochwertige vergleichende Studien ergänzt werden.
- Wesentliche Limitationen: Geringe Anzahl verfügbarer Studien, kleine Stichproben, heterogene Behandlungsprotokolle und fehlende direkte Vergleichsuntersuchungen.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Dieses Scoping-Review zählt zu den ersten wissenschaftlichen Arbeiten, die sich gezielt mit CAD/CAM-gefertigten subperiostalen Implantaten zur Versorgung festsitzender Teilrekonstruktionen befassen. Damit erweitert es die bislang überwiegend auf vollständig zahnlose Kiefer ausgerichtete Literatur um eine differenzierte Betrachtung einer spezifischen klinischen Indikation. Die Arbeit liefert einen strukturierten Überblick über den aktuellen Forschungsstand und schafft eine Grundlage für die weitere wissenschaftliche Diskussion dieses modernen implantologischen Behandlungskonzeptes.
Darüber hinaus verdeutlicht die Übersichtsarbeit den Einfluss digitaler Technologien auf die Weiterentwicklung subperiostaler Implantate. Fortschritte in der dreidimensionalen Bildgebung, der virtuellen Operationsplanung und der CAD/CAM-Fertigung haben wesentlich dazu beigetragen, historische Schwächen dieser Implantatform zu überwinden und patientenspezifische Lösungen für komplexe anatomische Situationen zu ermöglichen. Die Autoren weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die derzeitige Evidenz nicht ausreicht, um eine Überlegenheit gegenüber etablierten implantologischen Verfahren zu belegen.
Von besonderer wissenschaftlicher Relevanz ist schließlich die Identifikation bestehender Forschungslücken. Die Autoren fordern prospektive Vergleichsstudien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen, standardisierten Erfolgskriterien sowie einer stärkeren Einbeziehung patientenberichteter Behandlungsergebnisse (Patient-Reported Outcome Measures, PROMs). Damit liefert die Studie wichtige Impulse für die zukünftige Forschung im Bereich der digitalen Implantologie und der patientenspezifischen rekonstruktiven Therapie.
11. Redaktionelles Fazit
Dieses Scoping-Review bietet einen fundierten Überblick über den aktuellen Kenntnisstand zum Einsatz CAD/CAM-gefertigter subperiostaler Implantate bei festsitzenden Teilrekonstruktionen im stark atrophierten Kiefer. Die bislang veröffentlichten klinischen Daten weisen auf hohe Implantatüberlebensraten und vergleichsweise geringe Komplikationsraten innerhalb der verfügbaren Nachbeobachtungszeiträume hin. Aufgrund der begrenzten Anzahl und Heterogenität der eingeschlossenen Studien sollten diese Ergebnisse jedoch mit der gebotenen wissenschaftlichen Zurückhaltung interpretiert werden. Zukünftige hochwertige Vergleichsstudien werden entscheidend sein, um den langfristigen Stellenwert dieser patientenspezifischen Implantattechnologie in der modernen Implantologie eindeutig zu bestimmen.
