Bibliografie
Maßgefertigte subperiostale Titanimplantate aus direkt metallischem Lasersintern (DMLS) in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie bei Patienten mit schwerem Knochendefizit — Eine Pilotstudie
- 20 Oktober 2022
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Alexandru Nemtoi, Vlad Covrig, Ana Nemtoi, George Stoica, Ruxandra Vatavu, Danisia Haba, Irina Zetu
Full text links: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36292220/
Maßgefertigte subperiostale Titanimplantate aus direkt metallischem Lasersintern (DMLS) in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie bei Patienten mit schwerem Knochendefizit — Eine Pilotstudie
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Maßgefertigte subperiostale Titanimplantate aus direkt metallischem Lasersintern (DMLS) in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie bei Patienten mit schwerem Knochendefizit — Eine Pilotstudie
- Autoren: Alexandru Nemtoi, Vlad Covrig, Ana Nemtoi, George Stoica, Ruxandra Vatavu, Danisia Haba, Irina Zetu
- Wissenschaftliche Zeitschrift: Diagnostics
- Erscheinungsjahr: 2022
- DOI: 10.3390/diagnostics12102531
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Behandlung von Patienten mit schwerer Knochenatrophie der Kiefer stellt weiterhin eine der größten Herausforderungen der modernen Implantologie dar. Wenn das verbleibende Knochenvolumen für die Insertion konventioneller enossaler Implantate nicht ausreicht, können Knochenrekonstruktionsverfahren in Betracht gezogen werden. Diese Eingriffe erhöhen jedoch häufig die therapeutische Komplexität, die Behandlungsdauer sowie das Risiko postoperativer Komplikationen.
In diesem Zusammenhang erfahren subperiostale Implantate dank der Fortschritte digitaler Arbeitsabläufe in der Oralchirurgie ein erneutes Interesse. Die Kombination aus dreidimensionaler Bildgebung, computergestützter Planung und additiven Fertigungstechnologien ermöglicht heute die Entwicklung patientenspezifischer Strukturen, die an die individuelle Anatomie angepasst sind.
Diese technologische Entwicklung eröffnet neue Perspektiven für die implantologische Rehabilitation zahnloser Patienten oder Patienten mit fortgeschrittener Knochenresorption, insbesondere dann, wenn konventionelle Techniken nur schwer umsetzbar sind.
3. Ziel der Studie
Das Hauptziel dieser Studie bestand darin, ein digitales Protokoll zur Planung und Herstellung maßgefertigter subperiostaler Titanimplantate vorzustellen, die mittels Direct Metal Laser Sintering (DMLS) gefertigt wurden, sowie die frühen und späten Komplikationen zu bewerten, die nach ihrer Implantation bei Patienten mit ausgeprägter Knochenresorption und ungünstiger Knochenqualität beobachtet wurden.
4. Methodik
Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine retrospektive Pilotstudie, die in zwei privaten Zentren für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Rumänien durchgeführt wurde.
Von ursprünglich 19 identifizierten Patienten wurden nach Ausschluss unvollständiger Datensätze schließlich 16 Patienten eingeschlossen. Die untersuchte Population bestand aus 9 Männern und 7 Frauen im Alter zwischen 55 und 69 Jahren.
Jeder Patient erhielt eine Panoramaaufnahme und eine DVT-Untersuchung (CBCT) in Verbindung mit einer digitalen Planung. Die subperiostalen Implantate wurden individuell anhand dreidimensionaler Daten konstruiert und anschließend mittels DMLS-Technologie aus Titan hergestellt.
Zu den bewerteten Kriterien gehörten:
- Anpassung und Stabilität der Implantate;
- Dauer des chirurgischen Eingriffs;
- Implantatüberleben;
- frühe Komplikationen;
- späte Komplikationen.
Die in der Studie berichtete klinische Nachbeobachtungszeit betrug sechs Monate für die Bewertung später Komplikationen.
5. Hauptergebnisse
Insgesamt wurden bei den eingeschlossenen Patienten 16 maßgefertigte subperiostale Implantate eingesetzt. Elf Implantate wurden im Oberkiefer und fünf im Unterkiefer platziert.
Die Anpassung der Implantate an die knöchernen Strukturen wurde insgesamt als zufriedenstellend beurteilt. Die Chirurgen vergaben durchschnittlich 4 von 5 Punkten. Zwölf Implantate erhielten eine Bewertung von gut bis ausgezeichnet, während lediglich ein Implantat eine unzureichende Anpassung aufwies.
Die durchschnittliche Operationsdauer betrug 86,18 Minuten. Eingriffe im Oberkiefer erforderten mehr Zeit als diejenigen im Unterkiefer.
Während der Nachbeobachtungszeit ging nur ein Implantat verloren. Nach Angaben der Autoren war dieses Versagen mit einer unzureichenden Anpassung der Struktur sowie mit wiederkehrenden Infektionen verbunden, die auf die Behandlung nicht ansprachen.
Hinsichtlich postoperativer Komplikationen waren Schmerzen, Ödeme und Schwellungen hauptsächlich auf die ersten Tage nach dem Eingriff beschränkt. Schwere Spätkomplikationen wie Implantatmobilität, Suppuration oder anhaltende Schmerzen wurden nicht berichtet. Bei sechs Patienten wurde jedoch eine partielle Exposition des Implantats beobachtet, ohne dass funktionelle Beeinträchtigungen gemeldet wurden. Zudem wurde eine Fraktur einer provisorischen Prothese beschrieben.
6. Klinische Analyse
Diese Studie veranschaulicht das Potenzial maßgefertigter subperiostaler Implantate, die mittels DMLS-Technologie hergestellt werden, in Situationen, in denen konventionelle implantologische Optionen aufgrund fortgeschrittener Knochenatrophie eingeschränkt sein können.
Das Hauptinteresse liegt in der Anwendung eines vollständig digitalen Workflows, der DVT-Bildgebung (CBCT), computergestützte Konstruktion und additive Fertigung integriert. Dieser Ansatz soll die anatomische Anpassung der Implantatstrukturen verbessern, ein Faktor, der für die beobachteten Ergebnisse entscheidend zu sein scheint. Das einzige berichtete Versagen betraf genau ein Implantat mit unzureichender Passgenauigkeit.
Aus klinischer Sicht deuten die Ergebnisse darauf hin, dass diese Strategie eine Alternative für bestimmte zahnlose oder stark resorbierte Patienten darstellen könnte, die komplexe Knochentransplantationsverfahren ablehnen oder für diese nicht geeignet sind. Die schnelle Bereitstellung einer festsitzenden prothetischen Versorgung stellt ebenfalls einen interessanten Aspekt des beschriebenen Protokolls dar.
Die Ergebnisse müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. Die untersuchte Population ist klein, und die klinische Nachbeobachtungszeit bleibt relativ kurz. Darüber hinaus erlaubt das Fehlen einer Kontrollgruppe keinen direkten Vergleich dieses Ansatzes mit anderen therapeutischen Lösungen wie Knochenrekonstruktionen oder alternativen Implantatprotokollen. Die vorgelegten Daten ermöglichen daher in erster Linie die Beurteilung der klinischen Durchführbarkeit der Technik und nicht den Nachweis ihrer therapeutischen Überlegenheit.
7. Klinische Anwendungen
Die Ergebnisse dieser Studie können in mehreren klinischen Situationen besonders relevant sein:
- Patienten mit schwerer Knochenatrophie des Ober- oder Unterkiefers;
- vollständige oder ausgedehnte Zahnlosigkeit mit unzureichendem Knochenvolumen für konventionelle Implantate;
- Patienten, die Knochenregenerations- oder Transplantationsverfahren ablehnen;
- komplexe implantologische Rehabilitationen, die eine fortgeschrittene digitale Planung erfordern;
- Protokolle, die CAD/CAM-Technologien und additive Fertigung in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie integrieren.
Die Studie legt nahe, dass dieser Ansatz in ausgewählten Fällen eine ergänzende therapeutische Option darstellen könnte, vorausgesetzt, dass eine entsprechende chirurgische Expertise vorhanden ist.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Diese Veröffentlichung entspricht einer retrospektiven beobachtenden Pilotstudie mit einer begrenzten Anzahl von Patienten.
Das Evidenzniveau ist daher im Vergleich zu kontrollierten Studien oder groß angelegten prospektiven Untersuchungen als moderat bis niedrig einzustufen.
Zu den wichtigsten erkennbaren Limitationen gehören:
- die geringe Stichprobengröße von 16 Patienten;
- das Fehlen einer Kontrollgruppe;
- der retrospektive Charakter der Analyse;
- eine auf sechs Monate begrenzte Nachbeobachtungszeit für die Bewertung später Komplikationen.
Die Autoren geben an, keine externe Finanzierung für diese Forschung erhalten zu haben, und erklären das Fehlen von Interessenkonflikten.
Diese Aspekte erfordern eine vorsichtige Interpretation der Ergebnisse und unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Langzeitstudien.
9. Wesentliche Punkte der Studie
- Studientyp: Retrospektive Pilotstudie
- Evidenzniveau: Beobachtende Fallserie
- Analysierte Population: Zahnlose oder teilweise zahnlose Patienten mit ausgeprägter Knochenresorption
- Anzahl der Patienten: 16
- Anzahl der Implantate: 16
- Nachbeobachtungsdauer: 6 Monate
- Primär bewertete Endpunkte: Implantatanpassung, Implantatüberleben und Komplikationen
- Hauptergebnis: Verlust nur eines Implantats aufgrund unzureichender Anpassung und wiederkehrender Infektionen
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Maßgefertigte subperiostale Titanimplantate aus DMLS zeigten in dieser begrenzten Kohorte zufriedenstellende klinische Ergebnisse
- Mögliche Limitationen: Kleine Stichprobe, Fehlen einer Kontrollgruppe und begrenzte Nachbeobachtungszeit
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Diese Studie trägt zur wissenschaftlichen Wiederbelebung subperiostaler Implantate durch moderne digitale Technologien bei. Historisch gesehen wurden diese Implantate aufgrund von Herstellungsschwierigkeiten und Komplikationen im Zusammenhang mit früheren Protokollen schrittweise aufgegeben.
Die vorgelegten Daten legen nahe, dass die Kombination aus DVT-Bildgebung (CBCT), computergestützter Konstruktion und direktem metallischem Lasersintern die Neubewertung dieses Konzepts mit leistungsfähigeren technologischen Mitteln ermöglichen könnte. Die Studie liefert somit zusätzliche klinische Daten zur Durchführbarkeit dieses Ansatzes bei der Behandlung schwerer Knochenatrophien.
Auch wenn die Ergebnisse noch vorläufig sind, entsprechen sie dem zunehmenden Trend zur Individualisierung implantologischer Behandlungen. Diese Veröffentlichung trägt zudem zur Dokumentation der in den ersten Monaten nach der Implantation beobachteten Komplikationen bei und hebt die Bedeutung der präzisen Anpassung maßgefertigter Implantatstrukturen hervor.
11. Redaktionelle Schlussfolgerung
Diese Pilotstudie liefert interessante klinische Daten zur Verwendung maßgefertigter subperiostaler Titanimplantate, die mittels DMLS-Technologie hergestellt werden, bei Patienten mit ausgeprägter Knochenresorption. Die beobachteten Ergebnisse deuten auf eine gute klinische Durchführbarkeit und eine günstige kurzfristige Überlebensrate hin. Dennoch erfordern die geringe Stichprobengröße und die begrenzte Nachbeobachtungszeit eine vorsichtige Interpretation. Größere prospektive Studien werden notwendig sein, um die Rolle dieses Ansatzes in der implantologischen Rehabilitation schwer atrophierter Ober- und Unterkiefer genauer zu definieren.
