Bibliografie
Patientenzufriedenheit und Auswirkungen auf die Mundgesundheit nach einer Oberkieferrehabilitation mit einem personalisierten additiv gefertigten subperiostalen Kieferimplantat (AMSJI)
- 20 Februar 2023
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Casper Van den Borre, Björn De Neef, Natalie A J Loomans, Marco Rinaldi, Erik Nout, Peter Bouvry, Ignace Naert, Maurice Y Mommaerts
Full text links: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36836531/
Patientenzufriedenheit und Auswirkungen auf die Mundgesundheit nach einer Oberkieferrehabilitation mit einem personalisierten additiv gefertigten subperiostalen Kieferimplantat (AMSJI)
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Patientenzufriedenheit und Auswirkungen auf die Mundgesundheit nach einer Oberkieferrehabilitation mit einem personalisierten additiv gefertigten subperiostalen Kieferimplantat (AMSJI)
- Autoren: Casper Van den Borre, Björn De Neef, Natalie A. J. Loomans, Marco Rinaldi, Erik Nout, Peter Bouvry, Ignace Naert, Maurice Y. Mommaerts
- Wissenschaftliche Zeitschrift: Journal of Personalized Medicine
- Erscheinungsjahr: 2023
- DOI: 10.3390/jpm13020297
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Behandlung von Patienten mit schwerer Oberkieferatrophie stellt weiterhin eine der komplexesten Herausforderungen der implantologischen Rehabilitation dar. Wenn das verbleibende Knochenvolumen für die Aufnahme konventioneller enossaler Implantate nicht mehr ausreicht, werden häufig fortgeschrittene rekonstruktive Verfahren wie autologe Knochentransplantationen oder Jochbeinimplantate in Betracht gezogen.
Die Entwicklung digitaler Technologien, der dreidimensionalen Planung und der additiven Titanfertigung hat zur Wiederbelebung eines lange vernachlässigten historischen Konzepts geführt: des subperiostalen Implantats. Individuell angefertigte subperiostale Implantate der neuen Generation, die auf der Grundlage individueller radiologischer Daten entwickelt werden, stellen heute eine potenzielle Alternative für Patienten mit extremer Knochenatrophie dar.
In diesem Zusammenhang ist die Bewertung patientenberichteter Ergebnisse von wesentlicher Bedeutung. Über die Implantatstabilität oder den prothetischen Erfolg hinaus sind die orale Lebensqualität und die funktionelle Zufriedenheit zu wichtigen Kriterien für die Beurteilung des klinischen Werts einer therapeutischen Strategie geworden.
3. Ziel der Studie
Das Hauptziel dieser Studie bestand darin, die Patientenzufriedenheit und die Auswirkungen auf die Mundgesundheit nach der Rehabilitation eines atrophischen Oberkiefers mittels eines personalisierten, durch 3D-Druck hergestellten subperiostalen Implantats (AMSJI) zu bewerten.
Die Autoren wollten die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität sowie die allgemeine Zufriedenheit der Patienten nach der Behandlung anhand validierter Fragebögen und einer Nachbeobachtung mittlerer Dauer messen.
4. Methodik
Es handelt sich um eine internationale multizentrische retrospektive Studie mit 40 Patienten, die aufgrund einer schweren Oberkieferatrophie behandelt wurden (Cawood-Howell-Klassifikation ≥ 5). Die Teilnehmer stammten aus Belgien, Italien und den Niederlanden.
Alle Patienten hatten mindestens ein Jahr vor ihrer Aufnahme in die Studie eine bilaterale AMSJI-Implantation erhalten. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit nach Implantation betrug 917 Tage.
Die Bewertung basierte auf zwei validierten Instrumenten:
- dem OHIP-14 (Oral Health Impact Profile-14) zur Beurteilung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität;
- der NRS-Skala (Numerical Rating Scale), die zur Messung verschiedener Aspekte der Zufriedenheit wie Ästhetik, Kaufunktion, Komfort, Phonation, Pflegeaufwand und allgemeine Zufriedenheit verwendet wurde.
Die statistischen Analysen wurden mit der Software SPSS durchgeführt.
5. Hauptergebnisse
Alle eingeschlossenen Patienten konnten von einer funktionellen prothetischen Rehabilitation profitieren. Zum Zeitpunkt der Bewertung verwendeten alle ihre festsitzende oder herausnehmbare Versorgung.
Der mittlere OHIP-14-Wert betrug 4,20 ± 7,09. Dieser niedrige Wert weist auf eine günstige orale Lebensqualität hin, da höhere OHIP-Werte mit einer Verschlechterung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität verbunden sind.
Hinsichtlich der Zufriedenheit erreichte der mittlere NRS-Wert 52,25 ± 4,00 bei einem theoretischen Maximum von 60, was auf ein hohes Maß an Patientenzufriedenheit hindeutet.
Die am besten bewerteten Dimensionen betrafen den ästhetischen Nutzen (9,03/10), die Kaufunktion (8,83/10), die Pflege (8,73/10) und den Komfort (8,63/10).
Es wurden jedoch postoperative Komplikationen beobachtet. Zwölf Patienten zeigten postoperative Entzündungszeichen. Sechs benötigten eine chirurgische Exploration oder ein mechanisches Debridement. Bei drei Patienten musste aufgrund persistierender Infektionen ein Abutment entfernt werden. Trotz dieser Ereignisse wurden weder die Stabilität des Implantats noch die prothetische Rehabilitation beeinträchtigt. Bei 26 Patienten wurde zudem eine partielle Freilegung bestimmter Implantatverlängerungen beobachtet.
6. Klinische Analyse
Diese Studie liefert besonders interessante Erkenntnisse zu einem Aspekt, der in der Literatur häufig unzureichend dokumentiert ist: der Wahrnehmung der Behandlung durch die Patienten selbst.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Patienten mit fortgeschrittener Oberkieferatrophie nach einer Rehabilitation mit AMSJI eine deutliche Verbesserung ihres oralen Komforts und ihrer Zufriedenheit erreichen können. Es ist daran zu erinnern, dass diese Patientengruppe häufig mit erheblichen Schwierigkeiten bei konventionellen Prothesen konfrontiert ist, insbesondere hinsichtlich Stabilität, Kaufunktion und Retention.
Das potenzielle klinische Interesse dieses Ansatzes liegt auch in seinem personalisierten Charakter. Die digitale Planung und additive Fertigung ermöglichen eine individualisierte anatomische Anpassung, die bestimmte Einschränkungen historischer subperiostaler Implantate vermeiden könnte.
Die Autoren betonen außerdem, dass diese Strategie eine Alternative zu umfangreichen Knochenaugmentationen oder Jochbeinimplantaten darstellt. Die Studie erlaubt jedoch keine Aussage über eine klinische Überlegenheit zwischen diesen verschiedenen Therapieoptionen. Die in der Diskussion erwähnten Vergleiche beruhen hauptsächlich auf Daten aus anderen Veröffentlichungen.
Die beobachteten Komplikationen erinnern daran, dass diese Technik weiterhin einen komplexen chirurgischen Eingriff darstellt, der eine sorgfältige Überwachung erfordert. Die berichteten infektiösen Ereignisse zeigen, dass die hohe Patientenzufriedenheit nicht als Fehlen biologischer Risiken interpretiert werden sollte.
7. Klinische Anwendungen
Die Ergebnisse dieser Studie können insbesondere in den folgenden Situationen von Interesse sein:
- schwere Oberkieferatrophie, die die Insertion konventioneller Implantate verhindert;
- zahnlose Patienten mit fortgeschrittener Knochenresorption;
- komplexe implantologische Rehabilitationen, die einen personalisierten Ansatz erfordern;
- Situationen, in denen umfangreiche Knochenaugmentationsverfahren schwierig oder nicht erwünscht sind;
- Rehabilitationsprotokolle unter Verwendung digitaler Planung und CAD/CAM-Technologien;
- Behandlung von Patienten, bei denen bereits Knochenrekonstruktionsverfahren fehlgeschlagen sind.
Die verfügbaren Daten beziehen sich ausschließlich auf den schwer atrophierten Oberkiefer und erlauben keine Übertragung der Ergebnisse auf andere Indikationen.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Diese Publikation entspricht einer retrospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie, die auf von Patienten berichteten Ergebnissen basiert.
Das Evidenzniveau ist daher im Vergleich zu prospektiven oder randomisierten kontrollierten Studien als moderat bis niedrig einzustufen.
Mehrere Limitationen sind erkennbar:
- retrospektiver Charakter der Studie;
- Fehlen einer Kontrollgruppe;
- Fehlen präoperativer Messungen, die einen Vergleich vor und nach der Behandlung ermöglichen würden;
- auf 40 Patienten begrenzte Stichprobengröße;
- freiwillige Teilnahme von Patienten und Behandlern, was zu einem Selektionsbias führen kann.
Hinsichtlich der Transparenz erklären die Autoren, dass keine spezifische Finanzierung erfolgte. Es wird jedoch ein Interessenkonflikt angegeben: Maurice Mommaerts gibt an, als Innovationsberater für CADskills BV tätig zu sein. Die übrigen Autoren berichten über keine Interessenkonflikte.
9. Wesentliche Punkte der Studie
- Studientyp: Retrospektive multizentrische Studie
- Evidenzniveau: Beobachtungsstudie
- Analysierte Population: Patienten mit schwerer Oberkieferatrophie
- Anzahl der Patienten: 40
- Anzahl der Implantate: In den bereitgestellten Informationen nicht angegeben
- Nachbeobachtungsdauer: Durchschnittlich 917 Tage
- Primär bewerteter Endpunkt: Patientenzufriedenheit und orale Lebensqualität
- Hauptergebnis: Durchschnittlicher OHIP-14-Wert von 4,20 und durchschnittlicher NRS-Wert von 52,25/60
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Die Patienten berichten über ein hohes Maß an Zufriedenheit nach einer Oberkieferrehabilitation mit AMSJI
- Mögliche Limitationen: Retrospektive Studie, Fehlen einer Kontrollgruppe und Fehlen präoperativer Daten
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Diese Studie trägt zur Erweiterung eines Bereichs bei, der bislang noch relativ wenig dokumentiert ist: die Bewertung patientenberichteter Ergebnisse nach der Anwendung individuell angefertigter, durch 3D-Druck hergestellter subperiostaler Implantate.
Während sich die Literatur häufig auf das Implantatüberleben oder chirurgische Komplikationen konzentriert, liefert diese Veröffentlichung Daten, die auf die Lebensqualität und die Erfahrungen der Patienten ausgerichtet sind. Sie trägt somit zu einem umfassenderen Ansatz der implantologischen Rehabilitation bei Fällen schwerer Knochenatrophie bei.
Die Ergebnisse unterstützen das potenzielle klinische Interesse digitaler subperiostaler Implantate bei komplexen Indikationen, bei denen konventionelle Alternativen belastend oder technisch anspruchsvoll sein können. Sie tragen außerdem dazu bei, die moderne Weiterentwicklung einer historischen Technik zu dokumentieren, die durch additive Fertigungstechnologien neu interpretiert wurde.
Prospektive kontrollierte Studien werden jedoch erforderlich sein, um diese Beobachtungen zu bestätigen und die Rolle des AMSJI innerhalb des therapeutischen Arsenals der fortgeschrittenen Implantologie genauer zu definieren.
11. Redaktionelle Schlussfolgerung
Diese multizentrische Studie zeigt ein hohes Maß an Zufriedenheit und eine günstige orale Lebensqualität bei Patienten, die aufgrund einer schweren Oberkieferatrophie mit AMSJI behandelt wurden. Obwohl biologische Komplikationen beobachtet wurden, konnte die prothetische Rehabilitation bei allen Teilnehmern erfolgreich abgeschlossen werden.
Diese Ergebnisse unterstreichen das Interesse an individuell angefertigten subperiostalen Implantaten als Option der implantologischen Rehabilitation in besonders komplexen anatomischen Situationen und betonen gleichzeitig die Notwendigkeit vergleichender prospektiver Daten mit längerer Nachbeobachtungszeit.
