Bibliografie
Virtuell geplante subperiostale Implantate: 3-Jahres-Nachbeobachtung. Praktische Hinweise und technische Empfehlungen für ein optimales klinisches Management
- 19 August 2025
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Paolo Cariati, Fernando Pérez Salazar, Lydia Fraile Ruíz, Carlos Hugo Martínez Martínez, Ildefonso Martinez Lara
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41413547/
Virtuell geplante subperiostale Implantate: 3-Jahres-Nachbeobachtung. Praktische Hinweise und technische Empfehlungen für ein optimales klinisches Management
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Virtual surgical planned subperiosteal implants. 3 years of follow up. Tips and tricks for a proper management
- Autoren: Paolo Cariati, Fernando Pérez Salazar, Lydia Fraile Ruíz, Carlos Hugo Martínez Martínez, Ildefonso Martinez Lara
- Fachzeitschrift: Journal of Cranio-Maxillofacial Surgery
- Erscheinungsjahr: 2025
- DOI: 10.1016/j.jcms.2025.08.008
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Eine ausgeprägte Oberkieferatrophie zählt zu den anspruchsvollsten Herausforderungen der modernen Implantologie und der oralen Rehabilitation. Bei stark resorbiertem Knochenangebot sind konventionelle Therapiekonzepte häufig mit umfangreichen Knochenaugmentationen verbunden, die zusätzliche chirurgische Eingriffe, längere Heilungszeiten und teilweise eine Allgemeinanästhesie erfordern. Nicht alle Patienten sind jedoch bereit, diese Behandlungswege in Anspruch zu nehmen.
Die Fortschritte in der digitalen Implantatplanung und CAD/CAM-gestützten Fertigung haben das Interesse an patientenspezifischen subperiostalen Implantaten erneut geweckt. Moderne bildgebende Verfahren ermöglichen heute eine präzise virtuelle Operationsplanung sowie die Herstellung individuell angepasster Implantatstrukturen. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie die klinischen Ergebnisse dieser Behandlungsstrategie bei Patienten mit ausgeprägter Oberkieferatrophie und beschreibt zugleich technische Aspekte, die zur Optimierung des chirurgischen Vorgehens beitragen können.
3. Ziel der Studie
Ziel der Studie war es, die klinischen Ergebnisse individuell gefertigter, virtuell geplanter subperiostaler Implantate über einen Zeitraum von drei Jahren bei Patienten mit schwerer Oberkieferatrophie zu untersuchen, die eine konventionelle Implantatversorgung oder eine Knochenaugmentation abgelehnt hatten.
Darüber hinaus sollten die aufgetretenen Komplikationen analysiert und praxisorientierte technische Empfehlungen zur Verbesserung der chirurgischen Durchführung abgeleitet werden.
4. Methodik
Es handelt sich um eine retrospektive Fallserie.
Insgesamt wurden zwölf Patienten mit einer Oberkieferatrophie der Klassen V oder VI nach Cawood und Howell eingeschlossen. Alle Patienten lehnten sowohl konventionelle Implantatbehandlungen als auch Knochenaufbauverfahren ab.
Die Implantatplanung erfolgte digital auf Grundlage von Computertomographie-Daten und intraoralen Scans. Anschließend wurden patientenspezifische subperiostale Implantatgerüste hergestellt. Nach der osteotomischen Vorbereitung wurden diese mithilfe selbstschneidender Schrauben fixiert. Die definitive prothetische Versorgung erfolgte bei allen Patienten innerhalb von 24 Stunden unter Lokalanästhesie.
Bewertet wurden die Implantatüberlebensrate nach drei Jahren sowie die Häufigkeit postoperativer Komplikationen. Weitere methodische Einzelheiten werden im verfügbaren Abstract nicht beschrieben.
5. Wichtigste Ergebnisse
Bei sämtlichen zwölf Patienten konnte die geplante Sofortversorgung innerhalb von 24 Stunden nach dem chirurgischen Eingriff erfolgreich umgesetzt werden.
Während der Nachbeobachtungszeit traten bei vier Patienten Komplikationen auf. Zwei Patienten entwickelten eine Freilegung des Implantatgerüstes, die konservativ behandelt wurde. Bei einem antikoagulierten Patienten kam es zu einer postoperativen Blutung. Ein Implantatversagen wurde auf eine unzureichende knöcherne Modellierung zurückgeführt und anschließend erfolgreich chirurgisch revidiert.
Nach einer Nachbeobachtungsdauer von drei Jahren betrug die berichtete Implantatüberlebensrate 91,7 %.
Obwohl bei etwa einem Drittel der Patienten Komplikationen beobachtet wurden, beschreiben die Autoren diese überwiegend als beherrschbar, ohne dass die langfristige Funktion der Versorgung in den meisten Fällen wesentlich beeinträchtigt wurde.
6. Klinische Analyse
Die vorliegende Untersuchung liefert zusätzliche klinische Hinweise darauf, dass individuell gefertigte subperiostale Implantate im Rahmen eines digitalen Workflows eine mögliche Behandlungsoption für Patienten mit ausgeprägter Oberkieferatrophie darstellen können, sofern konventionelle Rekonstruktionsverfahren nicht infrage kommen oder vom Patienten abgelehnt werden.
Besonders hervorzuheben ist die Kombination aus virtueller Operationsplanung, patientenspezifischer Implantatherstellung und sofortiger prothetischer Versorgung. Die von den Autoren beschriebenen technischen Empfehlungen – darunter der Verzicht auf laterale Inzisionen, die Verwendung zweier Operationsschablonen sowie das Vorbohren der Schraubenkanäle – verdeutlichen, dass der chirurgischen Präzision eine zentrale Bedeutung für den Behandlungserfolg zukommt.
Gleichzeitig sollten die Ergebnisse mit angemessener Zurückhaltung interpretiert werden. Aufgrund des retrospektiven Studiendesigns, der begrenzten Patientenzahl und des Fehlens einer Kontrollgruppe lassen sich keine belastbaren Aussagen über eine Überlegenheit gegenüber etablierten Therapieverfahren treffen. Vielmehr zeigt die Studie, dass diese Behandlungsstrategie unter sorgfältiger Patientenselektion und präziser Planung klinisch umsetzbar sein kann. Für allgemeingültige Empfehlungen sind jedoch weitere prospektive Vergleichsstudien erforderlich.
7. Klinische Anwendungsbereiche
Die Ergebnisse dieser Untersuchung können insbesondere für Patienten mit ausgeprägter Oberkieferatrophie von Bedeutung sein, die umfangreiche Knochenaufbauverfahren, eine Allgemeinanästhesie oder lange Einheilzeiten ablehnen.
Darüber hinaus unterstreicht die Studie den möglichen Nutzen digitaler Implantatplanung, CAD/CAM-gestützter Fertigung, navigierter Chirurgie und individuell angepasster subperiostaler Implantate bei komplexen implantologischen Rehabilitationen mit Sofortbelastung. Die beschriebenen technischen Empfehlungen können zur Optimierung chirurgischer Abläufe beitragen, sollten jedoch ausschließlich im Kontext der untersuchten Patientengruppe betrachtet werden.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine retrospektive Fallserie, die einem niedrigen Evidenzniveau zuzuordnen ist.
Zu den methodischen Einschränkungen zählen die geringe Fallzahl, das Fehlen einer Kontrollgruppe sowie das retrospektive Studiendesign. Diese Faktoren begrenzen die Übertragbarkeit der Ergebnisse und erlauben keinen direkten Vergleich mit alternativen implantologischen Therapiekonzepten.
In den bereitgestellten Informationen finden sich keine Angaben zu Interessenkonflikten oder finanziellen Beziehungen der Autoren zu Implantatherstellern.
Die Ergebnisse sollten daher als beobachtende klinische Daten interpretiert werden und nicht als endgültiger Nachweis der Überlegenheit dieser Behandlungsmethode.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Retrospektive Fallserie
- Evidenzniveau: Niedrig
- Patientenkollektiv: Patienten mit Oberkieferatrophie der Klassen V und VI nach Cawood und Howell
- Anzahl der Patienten: 12
- Anzahl der Implantate: In den bereitgestellten Informationen nicht angegeben
- Nachbeobachtungszeit: 3 Jahre
- Primärer Endpunkt: Implantatüberleben und postoperative Komplikationen
- Wichtigstes Ergebnis: 91,7 % Implantatüberlebensrate nach drei Jahren bei sofortiger prothetischer Versorgung aller Patienten
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Virtuell geplante, individuell gefertigte subperiostale Implantate können bei sorgfältig ausgewählten Patienten, die konventionelle Rekonstruktionsverfahren ablehnen, eine praktikable Behandlungsalternative darstellen, sofern eine präzise Planung und chirurgische Durchführung gewährleistet sind.
- Wesentliche Limitationen: Kleine Stichprobe, retrospektives Studiendesign und fehlende Kontrollgruppe.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Die Studie erweitert die verfügbare klinische Evidenz zur modernen Anwendung subperiostaler Implantate im Zeitalter digitaler Behandlungsabläufe. Im Mittelpunkt steht weniger die Einführung eines neuen Therapiekonzepts als vielmehr die Weiterentwicklung eines etablierten Verfahrens durch virtuelle Planung und patientenspezifische Implantatfertigung.
Neben den klinischen Ergebnissen liefert die Arbeit praxisnahe Hinweise zur chirurgischen Durchführung, die zur Verbesserung der Behandlungsabläufe beitragen könnten. Aufgrund des begrenzten Evidenzniveaus lassen sich aus dieser Untersuchung jedoch keine allgemeingültigen Therapieempfehlungen ableiten. Vielmehr bildet sie eine Grundlage für zukünftige prospektive Studien mit größeren Patientenkollektiven und direkten Vergleichen zu anderen implantologischen Rehabilitationskonzepten.
11. Redaktionelles Fazit
Diese retrospektive Fallserie zeigt, dass virtuell geplante, patientenspezifische subperiostale Implantate bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit ausgeprägter Oberkieferatrophie eine klinisch realisierbare Behandlungsoption darstellen können, wenn konventionelle Knochenaufbauverfahren nicht gewünscht sind. Die berichteten Drei-Jahres-Ergebnisse sowie die dargestellten chirurgischen Empfehlungen sprechen für das Potenzial eines präzisen digitalen Workflows. Aufgrund des niedrigen Evidenzniveaus sollten die Ergebnisse jedoch zurückhaltend interpretiert und durch größere kontrollierte Studien bestätigt werden.
