Bibliografie
Virtuelle chirurgische Planung und individualisiertes subperiostales Titan-Maxillarimplantat (CSTMI) für die dreidimensionale Rekonstruktion und dentale Implantate bei Oberkieferdefekten nach onkologischer Resektion: Fallserie
- 6 August 2022
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Jose Luís Cebrián Carretero, José Luis Del Castillo Pardo de Vera, Néstor Montesdeoca García, Pablo Garrido Martínez, Marta María Pampín Martínez, Iñigo Aragón Niño, Ignacio Navarro Cuéllar, Carlos Navarro Cuéllar
Full text links: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35956210/
Virtuelle chirurgische Planung und individualisiertes subperiostales Titan-Maxillarimplantat (CSTMI) für die dreidimensionale Rekonstruktion und dentale Implantate bei Oberkieferdefekten nach onkologischer Resektion: Fallserie
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Virtual Surgical Planning and Customized Subperiosteal Titanium Maxillary Implant (CSTMI) for Three Dimensional Reconstruction and Dental Implants of Maxillary Defects after Oncological Resection: Case Series
- Autoren: Jose Luís Cebrián Carretero, José Luis Del Castillo Pardo de Vera, Néstor Montesdeoca García, Pablo Garrido Martínez, Marta María Pampín Martínez, Iñigo Aragón Niño, Ignacio Navarro Cuéllar, Carlos Navarro Cuéllar
- Wissenschaftliche Zeitschrift: Journal of Clinical Medicine
- Erscheinungsjahr: 2022
- DOI: 10.3390/jcm11154594
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die Rekonstruktion von Oberkieferdefekten nach Tumorresektion stellt weiterhin eine der größten Herausforderungen der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie dar. Diese Knochendefekte können erhebliche funktionelle Folgen verursachen, insbesondere Störungen der Kaufunktion, des Schluckens und der Sprachbildung sowie eine Beeinträchtigung der Projektion des Mittelgesichts. Konventionelle Rekonstruktionstechniken beruhen hauptsächlich auf mikrochirurgisch vaskularisierten Lappenplastiken, prothetischen Obturatoren oder bestimmten spezifischen Implantatlösungen.
Die gleichzeitige Wiederherstellung von Knochenvolumen, Gesichtsästhetik und implantatgestützter Funktion bleibt jedoch komplex. Das Aufkommen der virtuellen chirurgischen Planung, des 3D-Drucks und der CAD/CAM-Technologien hat neue Perspektiven in der Oralchirurgie und implantatprothetischen Rehabilitation eröffnet. In diesem Zusammenhang erscheinen individualisierte subperiostale Titanimplantate als potenzielle Alternative für Patienten mit komplexen Oberkieferrekonstruktionen oder Situationen, in denen konventionelle Ansätze nur schwer umsetzbar sind.
3. Ziel der Studie
Ziel der Autoren war die Bewertung der Ergebnisse der dreidimensionalen Rekonstruktion segmentaler Oberkieferdefekte mithilfe individualisierter subperiostaler Titan-Maxillarimplantate (CSTMI), die durch virtuelle chirurgische Planung (VSP), STL-Modelle und CAD/CAM-Fertigung entwickelt wurden.
Die Studie sollte außerdem die Machbarkeit einer festsitzenden implantatgetragenen Rehabilitation in Verbindung mit dieser Rekonstruktionsstrategie bei Patienten analysieren, die sich einer onkologischen Resektion des Oberkiefers unterzogen hatten.
4. Methodik
Es handelt sich um eine retrospektive Fallserie, die zwischen 2018 und 2021 in einem spanischen Krankenhauszentrum durchgeführt wurde, das auf Oral- und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie spezialisiert ist.
Eingeschlossen wurden vier Patienten mit segmentalen Oberkieferdefekten infolge eines Plattenepithelkarzinoms des Oberkiefers. Alle Patienten hatten bereits frühere Rekonstruktionsbehandlungen erhalten oder wiesen Situationen auf, die konventionelle Techniken besonders erschwerten.
Die Planung basierte auf hochauflösenden Computertomographie-Untersuchungen, der dreidimensionalen digitalen Rekonstruktion der verbliebenen Knochenstrukturen, der Integration von Daten aus dem Intraoralscan sowie der individualisierten Konstruktion subperiostaler Implantate aus Titan, die mittels CAD/CAM-Technologie hergestellt wurden.
Die klinische Nachbeobachtung erstreckte sich von 9 Monaten bis 3 Jahren und 2 Monaten, mit einem Durchschnitt von 1 Jahr und 8 Monaten. Zu den Bewertungskriterien gehörten die Weichgewebeheilung, implantat- oder prothesenbezogene Komplikationen, funktionelle Ergebnisse sowie die von den Patienten berichtete ästhetische Beurteilung.
5. Hauptergebnisse
Alle vier Patienten erhielten eine individualisierte Oberkieferrekonstruktion mit anschließender festsitzender implantatgetragener prothetischer Rehabilitation. Die Oberkieferdefekte wiesen eine Länge zwischen 4,1 cm und 9,6 cm auf, mit einem Durchschnitt von 7,1 cm. Die erreichte vertikale Rekonstruktion variierte zwischen 9,3 mm und 17,4 mm, mit einem Mittelwert von 13,17 mm.
Zwei Patienten hatten vor der Implantatinsertion eine Strahlentherapie erhalten. Trotz der Komplexität der behandelten Situationen wurden während der Nachbeobachtungszeit keine Anzeichen von Infektionen, Weichgewebedehiszenzen, Freilegungen der Titanstruktur oder prothetischen Misserfolgen berichtet.
Die postoperativen Untersuchungen bestätigten die korrekte Anpassung der Implantate an die ursprüngliche digitale Planung. Alle Patienten erreichten eine normale Nahrungsaufnahme und eine als verständlich beurteilte Sprache. Die berichteten ästhetischen Ergebnisse wurden in allen untersuchten Fällen als zufriedenstellend bewertet.
6. Klinische Analyse
Diese Publikation veranschaulicht die vollständige Integration des digitalen Workflows in die komplexe maxillofaziale Rekonstruktion. Über die reine Implantatinsertion hinaus zielt der vorgeschlagene Ansatz darauf ab, gleichzeitig das verlorene Knochenvolumen, die prothetische Abstützung und die Projektion des mittleren Gesichtsdrittels wiederherzustellen.
Das wichtigste klinische Interesse liegt in der Möglichkeit, Patienten mit umfangreichen rekonstruktiven Vorbehandlungen oder Situationen, in denen konventionelle Techniken versagt haben, eine individualisierte Lösung anzubieten. In dieser Serie hatten mehrere Patienten bereits mikrochirurgisch vaskularisierte Rekonstruktionen erhalten, die keine zufriedenstellende funktionelle Rehabilitation ermöglicht hatten.
Die Studie legt zudem nahe, dass CAD/CAM-Technologie und virtuelle chirurgische Planung eine präzise Anpassung der Implantatstruktur an die verbliebenen knöchernen Strukturen ermöglichen. Diese Präzision könnte dazu beitragen, bestimmte operative Schwierigkeiten im Zusammenhang mit komplexen Rekonstruktionen zu reduzieren.
Dennoch sollten diese Beobachtungen mit Vorsicht interpretiert werden. Die geringe Fallzahl, das Fehlen einer Vergleichsgruppe und die relativ begrenzte Nachbeobachtungszeit erlauben keine Schlussfolgerung hinsichtlich der Überlegenheit dieser Strategie gegenüber anderen Rekonstruktionsoptionen wie vaskularisierten Lappenplastiken oder Jochbeinimplantaten. Die Autoren selbst betonen die Notwendigkeit prospektiver Studien und langfristiger Nachbeobachtungen vor einer klinischen Verallgemeinerung.
7. Klinische Anwendungen
Die berichteten Ergebnisse können insbesondere in folgenden Situationen von Interesse sein:
- Oberkieferrekonstruktion nach onkologischer Resektion.
- Komplexe implantatprothetische Rehabilitation nach Versagen früherer Rekonstruktionstechniken.
- Patienten, bei denen eine mikrochirurgische Rekonstruktion schwierig oder kontraindiziert ist.
- Fälle, die eine gleichzeitige Wiederherstellung der prothetischen Abstützung und des Gesichtsvolumens erfordern.
- Einsatz eines digitalen Workflows mit Integration von 3D-Bildgebung, virtueller Planung und individualisierter CAD/CAM-Fertigung.
- Festsitzende implantatgetragene Rehabilitation bei ausgedehnten Oberkieferdefekten.
Diese Anwendungen sollten jedoch im Rahmen der methodischen Grenzen dieser Fallserie betrachtet werden.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Diese Publikation entspricht einer retrospektiven Fallserie, was im Vergleich zu kontrollierten Studien oder groß angelegten prospektiven Untersuchungen ein begrenztes Evidenzniveau darstellt.
Die wichtigsten identifizierbaren Limitationen sind:
- sehr geringe Fallzahl (4 Patienten);
- Fehlen einer Kontrollgruppe;
- patientenabhängig unterschiedliche Nachbeobachtungsdauer;
- Fehlen eines direkten Vergleichs mit anderen Rekonstruktionsmethoden.
Die Autoren geben an, dass keine externe Finanzierung für diese Studie erhalten wurde, und erklären das Fehlen von Interessenkonflikten.
Die Ergebnisse sollten daher als vorläufig betrachtet werden und dienen hauptsächlich der Generierung von Hypothesen für zukünftige Forschungen.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Retrospektive Fallserie.
- Evidenzniveau: Niedrig bis moderat (Fallserie).
- Analysierte Population: 4 Patienten mit Plattenepithelkarzinom des Oberkiefers.
- Anzahl der Patienten: 4.
- Anzahl der Implantate: Zwischen 4 und 6 Implantaten je nach Fall.
- Nachbeobachtungsdauer: 9 Monate bis 3 Jahre und 2 Monate (Durchschnitt: 1 Jahr und 8 Monate).
- Primär bewertetes Kriterium: Dreidimensionale Oberkieferrekonstruktion und festsitzende implantatprothetische Rehabilitation.
- Hauptergebnis: Funktionelle und ästhetische Rehabilitation wurde bei allen Patienten ohne schwerwiegende Komplikationen während der Nachbeobachtungszeit erreicht.
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: CSTMI könnten bei bestimmten komplexen Oberkieferdefekten eine interessante rekonstruktive Alternative darstellen.
- Mögliche Limitationen: Kleine Fallzahl, fehlende Kontrollgruppe, Bedarf an Langzeitdaten.
10. Wissenschaftlicher Einfluss
Diese Studie trägt zur wachsenden Literatur über individualisierte subperiostale Implantate bei, die mithilfe digitaler Technologien hergestellt werden. Sie veranschaulicht konkret die Anwendung virtueller Planung und additiver Fertigung in der maxillofazialen Rekonstruktion nach onkologischer Chirurgie.
Ihr Hauptbeitrag liegt im Nachweis der klinischen Machbarkeit eines Ansatzes, der virtuelle Knochenrekonstruktion, individualisierte Implantatunterstützung und festsitzende prothetische Rehabilitation in besonders komplexen Situationen kombiniert.
Obwohl die Fallzahl begrenzt ist, unterstützen die beobachteten Ergebnisse das zunehmende Interesse an individualisierten Implantatlösungen für die Versorgung von Oberkieferdefekten. Diese Publikation trägt ebenfalls zur Diskussion über Alternativen zu konventionellen Rekonstruktionen bei, wenn diese nicht möglich, unzureichend oder fehlgeschlagen sind.
Schließlich ebnet sie den Weg für robustere prospektive Studien, die die langfristige Sicherheit und Stabilität dieser Systeme genauer untersuchen sollen.
11. Redaktionelle Schlussfolgerung
Diese Fallserie beleuchtet einen innovativen Ansatz zur Oberkieferrekonstruktion auf Grundlage digitaler Technologien und individualisierter subperiostaler Titanimplantate. Die berichteten Ergebnisse zeigen eine günstige funktionelle und ästhetische Wiederherstellung bei vier Patienten mit komplexen rekonstruktiven Situationen. Das Evidenzniveau bleibt jedoch begrenzt und erlaubt keine endgültigen Schlussfolgerungen. Prospektive Studien mit einer größeren Anzahl von Patienten und längerer Nachbeobachtung werden erforderlich sein, um die Rolle dieser Strategie in der implantatprothetischen Rehabilitation nach onkologischen Eingriffen zu bestätigen.
