Bibliografie
Versorgung stark resorbierter Kiefer mit patientenspezifischen subperiostalen Implantaten und implantatgetragenen Deckprothesen: Ein Fallbericht
- 1 April 2025
- Gepostet von: anjaform
- Kategorie: Klinische Studien und Fallberichte
Marjan Rashidi, Negin Aminianpour, Zeinab Gholami, Zahra Jandaghian
Full text link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40702913/
Versorgung stark resorbierter Kiefer mit patientenspezifischen subperiostalen Implantaten und implantatgetragenen Deckprothesen: Ein Fallbericht
1. Wissenschaftliche Referenz
- Studientitel: Management of Severely Resorbed Jaws Using Subperiosteal Implants Restored with Implant-Retained Overdentures – A Case Report
- Autoren: Marjan Rashidi, Negin Aminianpour, Zeinab Gholami, Zahra Jandaghian
- Fachzeitschrift: Indian Journal of Dental Research
- Erscheinungsjahr: 2025
- DOI: 10.4103/ijdr.ijdr_779_24
2. Wissenschaftlicher Hintergrund
Die implantologische Rehabilitation von Patienten mit ausgeprägter Kieferatrophie gehört weiterhin zu den anspruchsvollsten Aufgaben der oralen Implantologie. Bei starkem Verlust des Alveolarknochens reichen die vorhandenen Knochenstrukturen häufig nicht mehr aus, um konventionelle enossale Implantate sicher zu inserieren. In solchen Situationen werden oftmals umfangreiche Knochenaufbaumaßnahmen erforderlich, die mit zusätzlichen chirurgischen Eingriffen, längeren Behandlungszeiten und einer erhöhten Belastung für die Patienten verbunden sein können.
Die Weiterentwicklung digitaler Planungsverfahren sowie additiver Fertigungstechnologien hat das Interesse an individuell angefertigten subperiostalen Implantaten neu belebt. Durch die Kombination aus dreidimensionaler Bildgebung mittels DVT (CBCT), CAD/CAM-gestützter Konstruktion und Titan-3D-Druck können Implantate heute exakt an die verbliebene Knochenanatomie angepasst werden. Der vorliegende Fallbericht beschreibt den Einsatz eines solchen patientenspezifischen Implantatsystems zur Versorgung einer Patientin mit ausgeprägter Ober- und Unterkieferatrophie und zeigt den anschließenden prothetischen Rehabilitationsverlauf.
3. Ziel der Studie
Ziel dieser Fallbeschreibung war es, eine Behandlungsstrategie für eine vollständig zahnlose Patientin mit schwerer Kieferatrophie vorzustellen. Hierbei kamen individuell gefertigte subperiostale Implantate zum Einsatz, die auf Grundlage digitaler Planungsverfahren entwickelt wurden. Die Autoren wollten aufzeigen, dass eine implantatgetragene Deckprothese unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne umfangreiche Knochenaugmentation realisiert werden kann.
4. Methodik
Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um einen Fallbericht.
Beschrieben wird die Behandlung einer 64-jährigen vollständig zahnlosen Patientin mit ausgeprägter Atrophie des Ober- und Unterkiefers. Die klinische Untersuchung sowie die DVT-Diagnostik zeigten ein unzureichendes Knochenangebot für konventionelle Implantate. Nach interdisziplinärer Therapieplanung wurden patientenspezifische subperiostale Implantate digital konstruiert und aus Titan Grad V mittels Laserschmelzverfahren hergestellt.
Die Implantate wurden unter Allgemeinanästhesie inseriert. Nach einer Einheilphase von sechs Monaten erfolgte die prothetische Versorgung mit implantatgetragenen Deckprothesen. Die klinische Nachbeobachtung erstreckte sich über zwei Jahre. Standardisierte klinische Bewertungsparameter werden in den verfügbaren Informationen nicht näher beschrieben.
5. Wichtigste Ergebnisse
Nach Angaben der Autoren verlief die chirurgische Implantation der individuell gefertigten subperiostalen Implantate planmäßig. Nach Bestätigung einer zufriedenstellenden klinischen Einheilung konnte die prothetische Rehabilitation begonnen werden.
Die definitive Versorgung erfolgte mittels implantatgetragener Deckprothesen, wobei im Oberkiefer eine gaumenfreie Konstruktion gewählt wurde. Während des zweijährigen Nachbeobachtungszeitraums wurden keine Komplikationen berichtet. Die Autoren beschreiben eine zufriedenstellende Kaufunktion sowie ein ästhetisch günstiges Ergebnis mit verbessertem Lippenprofil.
Darüber hinaus wird erläutert, dass moderne Fertigungstechnologien wie das selektive Laserschmelzen sowie konstruktive Optimierungen durch Finite-Elemente-Analysen möglicherweise zur Verbesserung heutiger subperiostaler Implantatsysteme beigetragen haben. Diese Aussagen dienen jedoch der wissenschaftlichen Einordnung und stellen keine direkten Ergebnisse des beschriebenen Falles dar.
6. Klinische Analyse
Der vorliegende Fallbericht zeigt eine mögliche Behandlungsoption für Patienten mit ausgeprägter Kieferatrophie, bei denen die Insertion konventioneller enossaler Implantate aufgrund des geringen Knochenvolumens nicht möglich erscheint. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Nachweis einer Überlegenheit gegenüber anderen Therapiekonzepten, sondern die Darstellung der praktischen Umsetzbarkeit eines vollständig digital geplanten Behandlungskonzepts.
Von besonderem Interesse ist die Integration moderner digitaler Technologien in den implantologischen Workflow. Die Kombination aus DVT-basierter Diagnostik, CAD/CAM-Planung und additiver Fertigung ermöglicht eine patientenspezifische Anpassung des Implantatdesigns an die vorhandene Knochenstruktur. Dadurch könnten in ausgewählten Fällen umfangreiche Augmentationsverfahren vermieden werden.
Die komplikationsfreie Nachbeobachtung über zwei Jahre stellt ein positives klinisches Ergebnis für die behandelte Patientin dar. Dennoch dürfen diese Beobachtungen aufgrund des Studiendesigns nicht auf andere Patientengruppen übertragen werden. Ein einzelner Fallbericht liefert keine belastbare Evidenz hinsichtlich Langzeitprognose oder Vergleichbarkeit mit alternativen implantologischen Therapiekonzepten.
Die Arbeit liefert somit vor allem einen praxisnahen Nachweis der technischen und klinischen Durchführbarkeit eines individualisierten Behandlungskonzepts und bildet eine Grundlage für weiterführende klinische Untersuchungen mit größerem Patientenkollektiv.
7. Klinische Anwendungen
Die in diesem Fallbericht beschriebenen Ergebnisse können insbesondere für Behandler relevant sein, die Patienten mit ausgeprägter Alveolarkammatrophie versorgen, bei denen konventionelle Implantatlösungen nur eingeschränkt möglich sind.
Mögliche Anwendungsbereiche umfassen:
- Rehabilitation stark atrophierter Ober- und Unterkiefer
- patientenspezifische subperiostale Implantate
- digitale Implantatplanung mittels CBCT
- CAD/CAM-gestützte Implantatherstellung
- implantatgetragene Deckprothesen
- komplexe implantologische Rehabilitation
Aus den vorliegenden Daten lassen sich jedoch keine allgemeinen Therapieempfehlungen oder Überlegenheitsaussagen gegenüber alternativen Verfahren ableiten.
8. Evidenzniveau, Limitationen und Transparenz
Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Fallbericht, der einem niedrigen Evidenzniveau entspricht.
Die wichtigste methodische Einschränkung besteht darin, dass lediglich eine Patientin ohne Kontrollgruppe untersucht wurde. Aussagen zur Wirksamkeit oder Langzeitvorhersagbarkeit der beschriebenen Therapie lassen sich daraus nicht ableiten. Der dokumentierte Beobachtungszeitraum beträgt zwei Jahre.
Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte bestehen und keine finanzielle Förderung für die Studie erhalten wurde. Diese Angaben erhöhen die Transparenz der Publikation.
9. Kernaussagen der Studie
- Studientyp: Fallbericht
- Evidenzniveau: Niedrig
- Studienpopulation: Eine vollständig zahnlose Patientin
- Anzahl der Patienten: 1
- Anzahl der Implantate: Vier individuell gefertigte subperiostale Implantate werden im chirurgischen Ablauf beschrieben.
- Nachbeobachtungszeit: 2 Jahre
- Primärer Bewertungsparameter: Klinische Machbarkeit der implantologischen Rehabilitation
- Hauptergebnis: Funktionelle und ästhetische Rehabilitation ohne berichtete Komplikationen während der Nachbeobachtung.
- Wissenschaftliche Schlussfolgerung: Individuell gefertigte subperiostale Implantate können bei ausgewählten Patienten mit ausgeprägter Kieferatrophie eine Behandlungsoption darstellen.
- Wesentliche Limitationen: Einzelfall, fehlende Vergleichsgruppe und niedriges Evidenzniveau.
10. Wissenschaftliche Bedeutung
Diese Publikation erweitert die verfügbare Literatur über moderne patientenspezifische subperiostale Implantate im Rahmen komplexer implantologischer Rehabilitationen. Obwohl die Aussagekraft aufgrund des Studiendesigns begrenzt ist, zeigt sie anschaulich, wie digitale Diagnostik, computergestützte Implantatkonstruktion und additive Fertigung in einen vollständig individualisierten Behandlungsablauf integriert werden können.
Die Arbeit liefert keine endgültigen klinischen Empfehlungen, dokumentiert jedoch die praktische Anwendbarkeit dieses Behandlungskonzepts bei ausgeprägter Kieferatrophie. Gleichzeitig verdeutlicht sie den technologischen Wandel von historischen subperiostalen Implantaten hin zu modernen, individuell gefertigten Implantatsystemen.
Zur Beurteilung von Langzeitüberleben, biologischen und mechanischen Komplikationen sowie der klinischen Vorhersagbarkeit sind jedoch prospektive Studien mit größeren Patientenkollektiven und längeren Nachbeobachtungszeiten erforderlich.
11. Redaktionelles Fazit
Dieser Fallbericht beschreibt die erfolgreiche Versorgung einer Patientin mit ausgeprägter Ober- und Unterkieferatrophie durch individuell gefertigte subperiostale Implantate und implantatgetragene Deckprothesen. Das komplikationsfreie klinische Ergebnis über einen Zeitraum von zwei Jahren ist ermutigend, sollte aufgrund des niedrigen Evidenzniveaus jedoch vorsichtig interpretiert werden. Die Veröffentlichung unterstreicht das Potenzial digital entwickelter patientenspezifischer Implantatsysteme als mögliche Behandlungsoption in ausgewählten komplexen implantologischen Situationen.
